Pater Anselm Zeller: Der Lebensbaum eines Benediktiners

Anselm Zeller, der 66. und letzte Abt des Stifts St. Georgenberg-Fiecht, blickt in Buchform auf sein Leben zurück.

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P. Anselm Zeller (l.) lebt nach wie vor im Stift Fiecht (oben), sein Nachfolger Raphael Gebauer hat seinen Sitz inzwischen in St. Georgenberg (unten).
© Hörhager, Hintner, imago

Von Peter Hörhager

Vomp, Fiecht – Was tut ein Abt, der nicht mehr Abt ist und dessen Kloster einen neuen Besitzer hat? Er schreibt seine Biographie. Oder setzt dort fort, wo er als Bub begonnen hat. „Mein erstes Tagebuch schrieb ich, als ich 12 Jahre alt war“, ist im Vorwort von Anselm Zellers jüngstem Buch nachzulesen.

„Mein bunter Lebensbaum“ nennt sich der Band, in welchem der Benediktiner laut Untertiteln „Spurensuche“, „Bekenntnis“ und „Momentaufnahmen“ zusammengeführt hat. Basis des Niedergeschriebenen bilden die 33 Tagebücher des 1938 in Kaiserslautern geborenen Ordensmannes, der am 13. Juli 1996, also vor 25 Jahren, zum 66. Abt des Unterländer Stiftes geweiht wurde.

2014 legte er aus Altersgründen sein Amt nieder, Nachfolger – als Prior-Administrator und nicht mehr als Abt (der Konvent war zu klein geworden) – wurde P. Raphael Gebauer. Dieser hat (mit zwei Mitbrüdern) nun seinen Sitz in St. Georgenberg, Altabt Anselm Zeller residiert mit Br. Fidelis nach wie vor im Stift Fiecht, das allerdings nicht mehr den Benediktinern sondern, seit dem Juni 2018, Christoph Swarovski gehört.

Die zuletzt genannten Fakten sind Randnotizen am Schluss des Buches, Schwerpunkt sind die vielen Stationen von Anselm Zeller als Ordensmann. Also vom Eintritt in die Erzabtei St. Ottilien über die Stufen der theologischen Ausbildung, die Priesterweihe (1965), die ersten Einsätze als Seelsorger bis hin zum Weg in die Mission. Dort erreichte ihn 1996 der Ruf in die Tiroler Abtei.

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Buchtipp

„Mein bunter Lebensbaum“, Anselm Zeller. Studia Universitätsverlag Innsbruck, Taschenbuch, 237 Seiten. Juni 2021, 24,50 Euro.

Wobei auch die Kindheitserinnerungen nicht zu kurz kommen, für welche der heuer tödlich verunglückte Br. Johannes Wagenknecht die Illustrationen schuf. In weiteren Kapiteln und Anekdoten beantwortet der benediktinische Autor Fragen dazu, was ihn zum Priesterberuf, zum Ordensleben und zur Mission gebracht hat. „Ich werde Missionar“, hat er angeblich schon als Zehnjähriger den Nachbarn erzählt.

Reiseberichte sowie Schilderungen über den Aufstieg zum Prior des Klosters Jakobsberg und das Wirken in Kenia füllen weitere Seiten des 237 Seiten starken Bandes, der im Studia-Verlag erschienen ist. Wobei er die viereinhalb Jahre in Kenia, Tansania und Uganda nur als „Schnuppertour“ bezeichnet. Zwei Sonnen in seinem Wappen erinnern an die Zeit in Afrika, die zwei Trauben beziehen sich auf die Weinberge im Umfeld von Jakobsberg.

„Zum Ausklang“ (Titel des letzten Kapitels) bediente sich Anselm Zeller eines Textes von Reinhold Stecher, in welchem dieser (womit wieder der Bezug zum Buchtitel hergestellt wird) die Faszination des Baumes beschreibt.


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