Unwetter und Hochwasser: Experten mahnen zu konsequentem Klimaschutz

Aufgrund der Hochwasserereignisse in den letzten Tagen fordern Experten immer lauter einen konsequenten Klimaschutz ein. Die Erderwärmung mache solche Katastrophen häufiger, sagen sie.

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Klimaschutz hilft gegen die Ursachen von heftigen Unwettern, sagen Experten.
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Wien – Angesichts der Unwetterkatastrophen appellierte der ZAMG-Klimaforscher Marc Olefs Montagabend im ORF, die Treibhausgasemissionen global so schnell und so stark wie möglich zu senken, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Man könne "an zwei Fronten arbeiten", sagte er in der ZiB2: Maßnahmen wie mobiler Hochwasserschutz und Retentionsbecken seien Symptombekämpfung, gegen die Ursachen helfe "konsequenter und drastischer Klimaschutz".

Die schweren Unwetter in Teilen von Deutschland und Österreich könnten als einzelne Ereignisse nicht unmittelbar mit dem menschgemachten Klimawandel in Verbindung gebracht werden. "Das ist so, wie wenn Sie einen Sechser würfeln und gleich sagen, der Würfel ist gezinkt. Wenn Sie aber von 100 Würfen 90 Sechser würfeln, ist es sehr wahrscheinlich, und so ist es eben auch beim Klimawandel. Er ist nicht die Ursache solcher Ereignisse, aber er macht solche Ereignisse deutlicher häufiger", erläuterte der Leiter der Abteilung Klimaforschung an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Im Zuge der Erderwärmung nehmen laut Olefs besonders die extremen Niederschläge zu. Dies hätten Klimamodelle bereits vor Jahrzehnten vorhergesagt, und in den Messdaten scheine diese Entwicklung jetzt mehr und mehr auf.

📽️ Video | Klimaforscher: "Häufigere Wetterextreme durch Klimawandel"

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Einzelne Extremereignisse mit Starkregen

Die Physik dahinter sei heute weitgehend klar: Pro Grad Erderwärmung nehme der Wasserdampf, den die Luft aufnehmen kann, um sieben Prozent zu, bei Gewittern noch einmal deutlich über zehn Prozent. Dieser Niederschlag falle dann an den sechs nassesten Tagen des Jahres. Das, was es an diesen Tagen mehr regnet, falle an den anderen Tagen weniger, und so komme "dieses Bild zustande, dass der Sommer einerseits im Schnitt trockener werden kann, aber einzelne Extremereignisse mit Starkregen deutlich intensiver werden können", sagte der Forscher.

Dazu komme noch ein atmosphärischer Effekt: "Wir stellen fest, dass sich der Jetstream, also ein Starkwindband in sechs bis acht Kilometern Höhe, das die Wettergebiete um die Erde transportiert, durch die Erwärmung nach Norden verlagert hat und gleichzeitig auch schwächer geworden ist." Das führe dazu, "dass sich einmal eingestellte Wetterlagen länger über einem Ort halten können". Hitzewellen, Dürreperioden oder Starkregen entfalten so eine stärke Wirkung.

VCÖ fordert Boden-Entsiegelungsprogramm bei Parkplätzen

In Österreich sind bereits mehr als 1200 Quadratkilometer allein durch Verkehrsflächen versiegelt. Der Verkehrsclub Österreich fordert angesichts der Hochwasserereignisse Entsiegelungsmaßnahmen, insbesondere bei Pkw-Parkplätzen. Dort könne durch eine andere Oberfläche, wie zum Beispiel Rasengittersteine, das Versickerungsvolumen vergrößert werden.

Im Straßenbau müssten, anstatt weitere Flächen durch breitere oder neue Straßen zu versiegeln, überbreite Straßen rückgebaut werden, wie das beispielsweise in Kärnten bereits gemacht werde: Aus der neun Meter breiten Kärntner Straße B83 bei Arnoldstein sei ein eineinhalb Meter breiter Grünstreifen gefräst und ein Teil der Straße in einen Radweg umgewandelt worden. Zusatzvorteil: Die Erhaltungskosten für verschmälerte Straßen reduzieren sich laut VCÖ um bis zu 30 Prozent.

Olefs verwies zudem auf Wechselwirkungen mit der Topografie: Bei den jüngsten Starkregen-Ereignissen am Nordstau der Alpen beispielsweise war dort die Luft gezwungen, sich noch einmal zu heben und den Wasserdampf in Form von Niederschlag zu entladen.

Extreme Hitzejahre mit massiven Auswirkungen

Sollten die Klimaziele nicht erreicht werden, würden einzelne extreme Sommer wie 2015 oder 2019 mit 40 Hitzetagen in Wien – also mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad – bis zum Ende des Jahrhunderts zum "neuen Normal". Extreme Hitzejahre würden dann sogar 60 bis 80 Hitzetage aufweisen, mit massiven Auswirkungen auf die Gesundheit und die Zahl der Hitzetoten, aber auch auf die Effektivität beim Arbeiten. Noch dazu führe die stärkere Verdunstung zu Trockenheit. Entwicklungen wie die negative Wasserbilanz im östlichen Flachland, die der Landwirtschaft bereits Probleme bereitet, würden weiter verschärft. (APA)


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