Irans Justizchef fordert Untersuchung von Todesfällen bei Protesten

Bei Protesten gegen Wasserknappheit im Südwesten des Landes soll es mehrere Tote gegeben haben. Irans Justizchef fordert nun eine Untersuchung.

  • Artikel
  • Diskussion
Präsident Rouhani wird vorgeworfen, in den letzten acht Jahren die veraltete Infrastruktur nicht erneuert zu haben.
© -

Teheran – Irans Justizchef Gholamhossein Mohseni Ejei hat eine Untersuchung von Todesfällen bei Protesten gegen Wasserknappheit im Südwesten des Landes gefordert. „Die Staatsanwaltschaft soll umgehend und ausführlich die Ereignisse untersuchen, auch die Ursache für die Todesfälle (bei Demonstranten)“, sagte Ejei laut Medienberichten am Dienstag. Damit räumte er erstmals indirekt ein, dass es bei den Protesten - anders als bisher von den Behörden behauptet - mehr als einen Toten gab.

Seit letzter Woche gibt es in mehreren Städten der Provinz Khuzestan immer wieder Proteste gegen Wassermangel. Bei Zusammenstößen mit der Polizei war am Freitag ein 30-jähriger Demonstrant ums Leben gekommen. In sozialen Medien war jedoch von mehr Toten und Verletzten sowie von zahlreichen Verhaftungen die Rede. Örtliche Behörden wiesen die Berichte als frei erfunden zurück. Ejei forderte nun, dass schnellstens Klarheit geschaffen werden solle und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden sollten.

Wassermangel im Iran ist wegen der häufigen Dürrewellen zwar nicht neu, aber diesmal traf es die Provinz Khuzestan mit Temperaturen bis zu 50 Grad besonders schlimm. Wasser- und Stromausfälle trafen auch die Landwirtschaft und somit die Existenz der dort lebenden Menschen. Bei den Protesten in mehreren Städten der Provinz soll es auch zu Parolen gegen das islamische System gekommen sein. Offiziell wurde dies bisher nicht bestätigt.

In der iranischen Regierung gibt es Befürchtungen, dass sich die Proteste auf andere Provinzen des Landes ausweiten könnten. Deshalb wurde umgehend eine Delegation nach Khuzestan entsandt. Präsident Hassan Rouhani wird vorgeworfen, in den letzten acht Jahren die veraltete Infrastruktur nicht erneuert zu haben. Der aber schiebt die Schuld auf die durch US-Sanktionen verursachte Wirtschaftskrise im Land. Die Sanktionen haben Rouhani zufolge keinen Raum für neue Finanzierungen und Modernisierung der Infrastruktur gelassen. (dpa)

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte