Einsatz im Naturpark Ötztal: Der „Steineflüsterer“ pflegt Trockenmauern

Franz Brunner gibt sein Wissen über den Erhalt von Trockensteinmauern weiter. Die „Inseln der Artenvielfalt“ werden im Naturpark Ötztal geschätzt.

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Franz Brunner kennt sich mit historischem Mauerwerk, speziell Trockensteinmauern, bestens aus. Im Ötztal gibt er sein Wissen weiter.
© Brunner

Von Thomas Parth

Umhausen – Sie zählen zum Landschaftsbild Tirols: Trockensteinmauern. Ohne Mörtel, Kleber oder Beton können sie mit ein wenig Pflege Jahrhunderte überdauern. Leider ist das Wissen um die Errichtung und den Erhalt dieser von Hand geschlichteten Bauwerke weitgehend verloren gegangen. Nicht so bei Franz Brunner. Er ist gelernter Steinbildhauer, arbeitet in erster Linie für das Bundesdenkmalamt und saniert das ganze Jahr über Mauern. Immer wieder gibt der Experte in Workshops sein Wissen über historisches Mauerwerk gerne weiter. Diesen Samstag und Sonntag ist Brunner auf Einladung des Naturparks Ötztal in Niederthai unterwegs. Hier kann man ihm über die Schulter schauen, wie Trockensteinmauern zu neuem Leben erweckt werden. „Inmitten der Kulturlandschaft sind diese Steinschlichtungen ein perfekter Lebensraum für Pflanzen wie die Hauswurz oder für Insekten und Kleinsäugetiere“, zeigt GF Thomas Schmarda vom Naturpark Ötztal auf. Durch ihre Funktion als Wärmespeicher begründen Trockensteinmauern eigenständige Biotope mit erstaunlicher Artenvielfalt.

„Klaubsteinmauern, wie sie seit der Bronzezeit zusammengetragen und aufgeschlichtet wurden, sind im Grunde rasch errichtet“, bestätigt Brunner. Dazu sind kaum Vorkenntnisse erforderlich, wenn man einige Grundprinzipien beachtet. Auch auf ein Fundament kann getrost verzichtet werden. Und anders als beim Beton, der seine Kraft nach rund 60 Jahren verliert, können sie viele Jahre überstehen. „Wasser kann durch die natürlichen Fugen entweichen und richtet somit auch keine Frostschäden an“, weiß Brunner. Die Nachhaltigkeit einer derartigen Gartenbegrenzung oder Umfassung einer Weidefläche ist unbestritten.

„Die Steine müssen einfach gut liegen. Dann können sie auch einem Heuschober Stützkraft geben“, bestätigt Brunner. Der 61-Jährige ist übrigens „auch frei von Rückenbeschwerden“. Offenbar kommt es bei der Errichtung sehr auf die richtige Technik an. „In Südtirol, der Schweiz und Schottland wird diese Technik noch beherrscht. Bei uns in Tirol ist viel verloren gegangen“, bricht Brunner eine Lanze für die Artenvielfalt in Garten, Feld und Berg.

Infos und Anmeldung sind auf www.naturpark-oetztal.at zu finden.

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