Škoda Enyaq: Ein Kraftwerk aus Tschechien

Als Quell der Fahrfreude entpuppt sich der rein elektrisch fahrende Škoda Enyaq – mit ihm geht es zügig voran, Geduld ist manchmal trotzdem erforderlich.

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Spannende Formensprache, nicht so spannende Außenlackierung: der rein elektrisch fahrende Škoda Enyaq.
© Höscheler

Von Markus Höscheler

Telfes – Zunächst waren wir zugegebenermaßen skeptisch: Das Versprechen, ein elektrisch angetriebenes Sport Utility Vehicle mehr als 500 Kilometer an einem Stück fahren zu können, erschien uns angesichts des hohen Karosserieaufbaus und des hohen Gewichts (mehr als zwei Tonnen) trotz eines 77-kWh-Lithium-Ionen-Akkus zu optimistisch. In der Tat, der voll geladene Akku zeigte während der Testphase etwas mehr als 430 Kilometer an –ob er wenigstens die halten konnte bei anspruchsvoller Topographie, die Tirol bietet?

Um die Spannung ein wenig herauszunehmen: Er konnte – der Enyaq lieferte. Trotz mehrfacher Fahrten auf der Autobahn und auf Passstraßen mochte sich die Reichweitenanzeige nicht beirren lassen. Sicher schmolz der Wert schneller dahin, wenn es zügig bergauf ging. Doch beim Rekuperieren gab sich der Enyaq nicht die geringste Blöße, der Akku speicherte fleißig die Bremsenergie ein, um wieder einen Wert von jenseits der 400-Kilometer-Marke einzunehmen. Dabei verzichteten wir bewusst auf Askese, die Klimaanlage bemühten wir ebenso um ihren Einsatz wie das Infotainmentsystem.

Pluspunkte sammelte der Enyaq genügend im Test. Die hohe Sitzposition, verbunden mit bequemem Ein- und Aussteigen, verdient hier ebenso eine Erwähnung wie das Raumangebot. Die Insassen lobten die Freiheiten für Kopf, Schulter und Beine sowie Arme, der Fahrer war froh angesichts der gebotenen Ladekapazität: Netto bot der Kofferraum fast 600 Liter, brutto waren es mehr als 1,7 Kubikmeter. Den Transport von sperrigen Gütern ermöglichte das einfache Umlegen der Rücksitzbank, selbst ein großes Mountainbike fand somit locker Platz im Enyaq, ohne das Vorderrad demontieren zu müssen.

Abseits der Zuverlässigkeit in Reichweitenfragen bewies das Modell beim Beschleunigen und beim Kurvenfahren sowie auf Schlechtwegen seine Qualitäten. Das Fahrwerk ist komfortabel ausgelegt, die Lenkung ausreichend präzise – und der Elektromotor überzeugt mit ordentlicher Leistungsentfaltung. Schon ab Start liegen praktisch 310 Newtonmeter Drehmoment parat, bis zu 204 Pferdestärken lassen sich zumindest kurzzeitig abrufen.

Nicht ganz so im Reinen waren wir mit dem Infotainmentsystem, dessen Start sich immer wieder verzögerte. Auch die Anbindung ans Smartphone wollte nicht immer automatisch gelingen, hier neigte der Enyaq gelegentlich zum Zicken. Positiv dagegen – dass der Enyaq iV 80 nur mit Heckantrieb bestückt war, war selbst auf Schotter kaum zu bemerken. Für wintererfahrene Bergfahrer bietet Škoda gleichwohl auf Wunsch eine Allradvariante mit zwei Elektromotoren an.

Interessierte könnten sich nun von der Preisliste erschrecken lassen: Der Testwagen kostet nicht weniger als 61.448,20 Euro, wobei er mit einigen Optionen aufwarten kann, darunter einer schwenkbaren Anhängerkupplung, einer energieschonenden Wärmepumpe, einem Panoramaglasdach, 21-Zoll-Felgen und einem üppigen Fahrerassistenzpaket.

Die Technik

Motor: Elektromotor

Akku-Kapazität: 77 kWh netto

Drehmoment: 310 Nm bei 6000 U/min

Leistung: 150 kW/204 PS

L/B/H: 4649/1879/1615 mm

Gewicht: 2075/2658 kg

Kofferraumvolumen: 585 – 1710 l

Reichweite (Testwert): 420 km

Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h

0 – 100 km/h: 8,5 Sekunden

Verbrauch: 19,5 kWh/100 Kilometer

Kraftübertragung: Hinterradantrieb

Preis: 61.448,20 Euro

CO2-Emission: 0 g/km


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