Das Weltklima im teuren Fieberwahn: Die teuersten Naturkatastrophen Europas

Dürren, Stürme, Hochwasser, schmelzendes Eis. Die Lebenssituationen verschärft sich. Die Sachschäden sind enorm. Die teuerste Naturkatastrophe in Europa in 50 Jahren ereignete sich 2002 in Deutschland.

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Das Schmelzen des Eises wird zum Symbol der steigenden Temperaturen.
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Genf – Der Sommer ist noch jung. Die Katastrophenmeldungen überschlagen sich aber bereits. Enormes Hochwasser in China, Hitzewelle in Kanada und Skandinavien, Überschwemmungen in Österreich und in der Schweiz. Enormes Hochwasser in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Waldbrände in Russland. Tornado in Tschechien. Das ist nur ein kleiner Rückblick auf die Sommerwochen 2021. Und es ist zu befürchten, dass die Schlagzeilen in den kommenden Wochen weiter fortgeschrieben werden.

Die Überschwemmung in Deutschland im Jahr 2002 (im Bild das historische Zentrum von Dresden) war seit 1970 an Sachschäden die teuerste Katastrophe Europas. Der damalige Kanzler Schröder vor Ort.
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Eine aktuelle Studie der Weltwetterorganisation (WMO) listet die teuersten Naturkatastrophen der vergangenen 50 Jahre auf. Und da zeigt sich, welch enorme ökonomische Schäden auf den Klimawandel zurückzuführen sind.

Die gigantischen Überschwemmungen in Deutschland des Jahres 2002, insbesondere an der Elbe, waren laut WMO-Analyse die nach Sachschäden folgenschwerste Naturkatastrophe. Sie verursachten Schäden in Höhe von 14 Milliarden Euro, wie die Organisation am Freitag in Genf berichtete. Sie wertete Daten von 1970 bis 2019 aus.

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Das Weltklima befindet sich seit Jahren in einem Fieberwahn. Weltweit haben unter den Naturkatastrophen Dürren und Stürme in den vergangenen 50 Jahren die meisten Menschenleben gefordert. Durch Dürren kamen rund 650.000 Menschen ums Leben, durch Stürme rund 580.000 Menschen. Überschwemmungen und extreme Temperaturen lagen weit dahinter. Gemessen an Sachschäden waren Stürme weltweit die folgenreichsten Naturkatastrophen mit Verlusten von umgerechnet 440 Milliarden Euro. Dahinter lagen Überschwemmungen mit Schäden im Umfang von knapp 100 Milliarden Euro.

Und dann sind da noch die Waldbrände. Sie zählen zwar in vielen Regionen der Welt zu den ganz natürlichen Prozessen. Doch es gibt eine bedenkliche Kehrseite von Waldbränden: Immer dann, wenn Waldbrände zu heftig, am falschen Ort, zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt oder zu häufig auftreten, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass das Ökosystem durch menschliche Eingriffe aus den Fugen geraten ist.

Ökosystem aus den Fugen: Waldbrände am falschen Ort, zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt.
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Auf den ersten Blick harmlos mutet hierbei das schmelzende Eis an. Die ökonomischen und ökologischen Veränderungen an den Polkappen und in den Gletscherregionen zeigen sich erst in Jahren.

Der von Menschenhand verursachte Klimawandel verschärft die Lebenssituation in allen Weltregionen. Die WMO hat die schlimmsten Ereignisse auf Weltkarten eingetragen; die Dichte ist relativ hoch. Auffällig ist: Die Daten spiegeln das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Weltregionen wider. Die zehn Katastrophen, bei denen die meisten Menschen starben, trafen der Studie zufolge vor allem Entwicklungsländer. Die größten ökonomischen Verluste dagegen hatten die Industrieländer zu verzeichnen.

Die Gletscherschmelze in den Alpen dokumentiert eindringlich den Klimawandel.
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Die Studie gibt auch Einblicke über Wandel der Katastrophen und der Auswirkungen auf die Erdbewohner. Auffällig ist, dass Dürren bis 1990 sehr viele Opfer forderten. So starben 1983 und 1984 in Äthiopien, Mosambik und im Sudan noch 550.000 Menschen. Zumindest in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten tauchen Dürren dagegen in der Statistik nicht mehr zentral auf. Dafür gibt es einen neuen Brennpunkt. Hitzeereignisse sorgen seit dem Jahre 2000 für eine hohe Zahl an Opfern. So starben bei der Hitzewelle, die 2010 über Russland hereinbrach, fast 56.000 Menschen. Im Hitzesommer des Jahres 2003 starben in Italien knapp 20.000 Menschen. (TT)


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