In Sölden erinnert Tafel an Nazi-Propaganda

Die Nazi-Ideologie infiltrierte alle Gesellschaftsbereiche und vereinnahmte Brauchtum sowie Glauben: Der „Alte Schießstand“ ruft dies in Erinnerung.

  • Artikel
  • Diskussion
Links neben dem Eingang zum „Alten Schießstand“ in Sölden brachten die Ötztaler Museen eine erklärende Tafel an.
© Knabl
Der Schießstand in Sölden im Jahr 1942.
© A. Sickert, Archiv Markus Wilhelm

Von Thomas Parth

Sölden – Der „Alte Schießstand“ in der Gemeinde Sölden wurde 2018 unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude gilt als Mahnmal aus der Zeit des Nationalsozialismus. Effektheischend und spektakulär auf einem Hügel errichtet, buhlt es um die Aufmerksamkeit des Betrachters. Diese Woche brachten die Ötztaler Museen eine Gedenktafel am Eingang des Schießstandes an, um den geschichtlichen Hintergrund in Erinnerung zu rufen. Ein QR-Code verlinkt auf die Homepage der Museen. Hier werden Interessierte über die Bedeutung des Hauses informiert. Auch ein Originalausschnitt aus der Deutschen Wochenschau, als Gauleiter Franz Hofer im Oktober 1941 den Schießstand besichtigte, ist online. Die Initiative für den Erhalt des Gebäudes sowie dessen Unterschutzstellung ist Blogger Markus Wilhelm zu verdanken. „Dieser Bau muss erhalten bleiben, um die damit verbundene Geschichte nicht auszulöschen“, zeigt Edith Hessenberger von den Ötztaler Museen auf. Damit verhalte es sich völlig anders als im Imster Putzenwald. Dort befinde sich eine „NS-Gedenkstätte“, welche entfernt gehöre.

Das NS-Regime legte besonders in Tirol großen Wert auf die Inszenierung der Heimatkultur. So wurden alle Schützen-, Trachten- und Volkstanzvereine sowie Musikkapellen in eine Einheitsorganisation überführt: den Standschützenverband. An dessen Spitze stand Gauleiter und Landesoberschützenmeister Franz Hofer. Der Schießstand sollte dabei der Kirche als sonntäglicher Treffpunkt der ganzen Familie Konkurrenz machen. Der Schießstand in Sölden ist ein Zeitdokument eines verbrecherischen Regimes.


Kommentieren


Schlagworte