Blitzeinschlag in Absam, Mure in Uderns: Weiter Gewittergefahr in Tirol

Am späten Samstagnachmittag haben starke Gewitter in Tirol wieder für Überschwemmungen und brenzlige Situationen gesorgt. In Uderns mussten vier Bewohner eines Hauses nach einem Murenabgang in Sicherheit gebracht werden. In Absam schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion (1)
In Fügenberg ging starker Hagel nieder.
© TT-Leserfoto/Kathrin Öfner

Innsbruck – Am Samstag haben sich erneut schwere Gewitterzellen über Tirol gebildet. Neben einem starken Gewitter in Seefeld und heftigen Unwetterzellen in Landeck und Reutte am Nachmittag waren dann vor allem das Tiroler Unterland zwischen Innsbruck und Schwaz sowie das Zillertal betroffen.

Kurz vor 16 Uhr meldete die Unwetterzentrale aus Reutte einen Blitz mit über 100 kA (x1000 Ampere). Ab dieser Stromstärke spricht man schon von einem sehr starken Blitz. In Tirol wurden bis Sonntagfrüh insgesamt 6780 Blitze registriert. In ganz Österreich waren es gut 85.000, teilte die Österreichische Unwetterzentrale mit.

Blitzdichte am Samstag
© Ubimet

Blitzeinschlag in Absam

Eine starke Gewitterzelle bei Innsbruck teilte sich nach 16 Uhr und zog zum einen abgeschwächt in Richtung Bayern weiter. Im zweiten Fall nahm sie an Stärke zu und zog in Richtung Schwaz. Dieses Gewitter war sehr kräftig, es kam zu massiven Hagelschlägen. Die Zelle zog über das Zillertal. In Ried war am frühen Abend eine Unterflurtrasse überflutet. Es kam zu Rückstauungen, die Feuerwehr war bis nach 19 Uhr mit den Abpumparbeiten beschäftigt.

📽️ Video | Schwere Unwetterschäden in Tirol

In Absam schlug gegen 17.50 Uhr ein Blitz in den Dachstuhl eines Hauses ein, obwohl ein Blitzableiter vorhanden war. Es entwickelte sich ein Brand. Die Freiwilligen Feuerwehren Absam und Hall waren schnell vor Ort und konnten ein größeres Feuer verhindern. Verletzt wurde niemand. Die Höhe des Sachschadens war vorerst nicht bekannt.

Die Leitstelle Tirol berichtete am Abend von zahlreichen Einsätzen. Betroffen waren unter anderem Fritzens, Wattens, Kolsass und Schwaz. Umgestürzte Bäume, Äste, die abknickten, und Keller, die vollgelaufen sind – das waren dabei die häufigsten Meldungen. Aus dem Zillertal wurde zudem ein Erdrutsch in Uderns gemeldet.

Die Mure ging kurz vor 18 Uhr in Uderns ab.
© ZOOM.TIROL

Zwei Häuser bei Hangrutsch betroffen

Zu dem Zwischenfall kam es gegen 17.50 Uhr in Kleinboden bei Uderns: Auf einem Hang oberhalb von mehreren Häusern löste sich eine Mure, wodurch auch zwei Häuser mit Erdschlamm überflutet wurden. Aufgrund des nachfolgenden dauernden Wasserzuflusses und der damit verbundenen Gefahren mussten vier Bewohner eines Hauses evakuiert werden. Sie kamen einstweilen bei Nachbarn unter. Die Feuerwehren Uderns und Hart führten die Aufräum- und Sicherungsarbeiten durch.

Die Feuerwehren mussten den Unrat und Schlamm von den betroffenen Häusern beseitigen.
© ZOOM.TIROL

Im Bereich Böglerbichl in Uderns trat ein kleiner unbenannter Bach über die Ufer und vermurte die dortige Umgebung und einen Stall. Durch das eindringende Wasser, Geröll und Schlamm verendete eine unbestimmte Anzahl von Tieren (Ziegen, Hühner, Schweine), einige Tiere konnten vom Besitzer gerettet werden. Umgestürzte Bäume verlegten außerdem die Gemeindestraße von Uderns in Richtung Ried.

Waldbrand in Leutasch

In der Leutasch mussten die Feuerwehren zu einem Waldbrand ausrücken. Wie es dazu gekommen war, das war vorerst nicht bekannt. Hier musste jedenfalls auch der Polizeihubschrauber Libelle ausrücken.

Hagel, Starkregen, Sturmböen

Lokal brachten die Gewitter in Österreich am Samstag große Regenmengen in kurzer Zeit. In Wachtberg bei Steyr kamen z.B. knapp 70 Liter pro Quadratmeter zusammen, rund 35 Liter pro Quadratmeter waren es aber auch in Dornbirn, Bischofshofen und Obervellach.

24-stündiger Niederschlag.
© Ubimet

„Besonders nach Westen zu, wo die Gewitter schon am Nachmittag und Abend niedergingen, sorgten ebenjene zum Teil auch für Sturmböen", sagt Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale. „94 km/h wurden in Zell am See gemessen, 80 km/h waren es in Bichlbach in Tirol." Im Pongau wurde ebenso wie im Großraum Steyr zudem Hagel beobachtet.

Unwetter auch in Salzburg, Ober- und Niederösterreich

Weiter Unwettergefahr

Auch am Sonntag und in den kommenden Tagen bleibt die Unwettergefahr laut dem Wetterexperten hoch. Denn an der Großwetterlage ändert sich nur wenig: An der Vorderseite eines Tiefs über Nordwesteuropa wird weiterhin feuchte und labil geschichtete Luft zu den Alpen geführt.

In Nordtirol, Salzburg, Ober- und Niederösterreich muss man am Sonntag mit schweren Gewittern rechnen. Lokal sind hier schwere Sturmböen und großer Hagel möglich.

Auch am Montag und Dienstag gehen an der Alpennordseite heftige Gewitter nieder. Erst am Mittwoch und Donnerstag beruhigt sich die Lage laut Prognosen zumindest vorübergehend. (TT.com, mw)


Kommentieren


Schlagworte