Nachtgastro in Tirol: Mit angezogener Handbremse in die Nacht

Die Tiroler Nachtgastronomen bekommen die verschärften 2G-Regeln deutlich zu spüren. Verwirrung stiften die unterschiedlichen Regelungen, die gelten.

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Feiern und Tanzen im Club ist derzeit nur mit Impfung oder PCR-Test möglich.
© imago images/Pro Shots

Innsbruck – Hämmernde Bässe, gute Musik und Lust auf Tanzen – für so manchen endete der Clubabend in dieser Woche jedoch abrupt noch vor der Diskothek. „Am ersten Tag mussten wir viele, die ohne PCR-Test gekommen sind, wieder heimschicken“, betont Konrad Wolfgang. Das Argument „Wir haben uns testen lassen, aber das Ergebnis ist noch nicht da“ reichte nicht. Wolfgang betreibt in Innsbruck den Club „Dachsbau“, seit 22. Juli gelten für ihn wieder strengere Regeln. Ohne Impfung oder PCR-Test kann hier nicht gefeiert werden. Die so genannte 2-G- ersetzt die bisherige 3-G-Regel (geimpft, getestet, genesen).

Und das macht sich auch beim Betrieb bemerkbar. „Man spürt die PCR-Tests deutlich“, betont er. Vor allem am ersten Tag war viel weniger los. Er verstehe aber die Thematik.

Auch im p. m. k. in den Bögen wird seit Donnerstag kontrolliert. „Unsere Stammkunden sind vielfach schon geimpft“, sagt Betreiber David Prieth „Sie sind Mitte 20 und älter“ – da hätten viele den Stich schon bekommen. Die wirklichen Auswirkungen der neuen Regelungen werde man aber erst nächste Woche merken. Es sei aber wichtig, „dass es ein flächendeckendes Angebot an Tests gibt“, betont auch er.

Zuerst aufsperren, dann die Regeln wieder verschärfen, bei manchen gilt die 3-G-, bei manchen 2-G-Regel – das alles sorgt insgesamt für viel Verunsicherung und auch Ärger in der Branche. Derzeit werde das ganze Problem auf die Nachtgastronomie geschoben, kritisiert ein Gastronom.

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Verwirrung um Regelungen

Man steht unter besonderer Beobachtung, gilt als Corona-Risiko. „Ich finde es unfair, wie die Nachtgastronomie derzeit gebasht wird“, ärgert sich Konrad Wolfgang vom Dachsbau. „Wir haben mit Türsteher und können ohne großen Mehraufwand die 2-G-Regel kontrollieren.“ Und das passiere auch. „Schummler gibt es auf der Gastseite. Auf die muss man gut aufpassen.“

Aber welche Lokale fallen überhaupt unter die Kategorie „Nachtgastronomie“ und müssen sich an die neuen Regeln halten? Für Nachtschwärmer ist das nicht immer so leicht erkennbar. Nicht bei jedem, der spät geöffnet hat, kommt die 2-G-Regel zur Anwendung. Das p. m. k. zum Beispiel ist ein besonderer Fall. Als „Kulturzentrum“ wäre man gar nicht unter die neue Verordnung gefallen, die 3-G-Regel hätte gereicht, erklärt Prieth. „Wir haben uns freiwillig dafür entschieden, das zu kontrollieren.“ Auch aus Solidarität zu den Nachbarn in den Bögen.

Andere Lokale und Bars überraschen mit der Information „Bei uns gilt weiter die 3-G-Regel“. „Ich habe den Begriff Nachtgastronomie erst während der Pandemie kennen gelernt“, sagt ein Innsbrucker Gastronom, der selbst nicht unter diese Regelung fällt, weil sein Lokal bereits am Vormittag öffnet, bis Mitternacht aber als Bar weitergeführt wird. Er sieht das erhöhte Risiko nicht in der Öffnungszeit, sondern beim engen Tanzen und der lauten Musik, bei der man sich gegenseitig zurufen muss, um sich noch zu verstehen. Auch ein anderer Innsbrucker Barbesitzer bestätigt, dass auch bei ihm die 2-G-Regel nicht zur Anwendung komme. Auch sein Betrieb ist spät offen, aber es werde unter anderem nicht getanzt. Laut Verordnung fallen jene Lokale, wo „mit einer vermehrten Durchmischung und Interaktion der Kunden zu rechnen ist“, unter die Regelung – also Clubs, Diskotheken und Tanzlokale.

Die Innsbrucker Polizei bestätigte gestern, dass man auch in der Nacht auf Freitag diverse Kontrollen in der Gastronomie durchgeführt habe. Es sei eine „ruhige Nacht“ gewesen, hieß es von der Pressestelle. Aktuelle Zahlen für das Wochenende lagen gestern noch nicht vor. Unterdessen geht die Diskussion um eine Verschärfung der Regeln weiter. So forderte der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) gestern eine Impfpflicht für alle Besucher der Nacht-gastronomie. PCR-Tests seien zu wenig. (mr)


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