Willi für teilweise Impfpflicht: „Müssen Tempo beschleunigen“

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) ist offen für die Impfpflicht in Teilbereichen. „Wir benötigen unbedingt die Herdenimmunität.“

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In den vergangenen Tagen wurden 7600 Personen geimpft, 4000 erhielten die Zweitimpfung.
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Von Peter Nindler

Innsbruck – Weil sich das Impftempo in Österreich deutlich verlangsamt und gleichzeitig die Infektionen wegen der viel ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus wieder steigen, rückt die Debatte über eine mögliche Impfpflicht in den Mittelpunkt. In vielen Gesundheitsbereichen wird sie ohnehin verlangt. Die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, plädiert jetzt für die Ausdehnung der Impfpflicht auf diverse Berufsgruppen. Ihr schwebt eine Pflicht nicht nur im gesamten Bildungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich vor, sondern für alle körpernahen Berufe wie Friseure, Masseure, die Hand- und Fußkosmetik, sagte sie der Kleinen Zeitung.

Unterstützung erhält sie vom Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi, wenngleich er von einer schwierigen Abwägung zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft spricht. „Wir haben aber in den vergangenen Wochen gesehen, dass wir unbedingt das Impftempo beschleunigen müssen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen“, betonte Willi im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Wir benötigen die Herdenimmunität, um die Pandemie einzudämmen. Deshalb bin ich offen für Impfpflicht.
Georg Willi, Innsbrucker Bürgermeister

Was Willi gar nicht möchte, ist eine Herdenimmunität über Infektionen. „Aber wir benötigen die Immunisierung der Bevölkerung, um die Pandemie einzudämmen“, sagt er gegenüber der TT. Die Impfung ermögliche sie, vor allem schützt sie vor schweren Verläufen nach einer Corona-Infektion. Für Willi kippt deshalb die Abwägung über die Freiheit des Einzelnen in Richtung gesamtgesellschaftlicher Verantwortung der Bürger.

Offen für Ausdehnung der Impfpflicht

Willi argumentiert mit der Verhältnismäßigkeit, die es abzuwägen gilt. „Und da bin ich offen für eine Ausdehnung der Impfpflicht.“ Im Gesundheitsbereich wird sie von den Arbeitgebern und Spitalsverantwortlichen bereits verlangt. Der Innsbrucker Bürgermeister kann sie sich auch für andere Berufsgruppen, den Bildungsbereich oder körpernahe Dienstleistungen, vorstellen, so wie es die Vorsitzende der Bioethikkommission vorschlägt.

Der Grün-Politiker spricht von einer Verantwortung, zugleich blickt er bereits in den Herbst. „In einer Stadt mit 30.000 Studierenden, die eine gesellschaftliche Schnittstelle in Tirol ist, müssen wir besonders achtsam sein.“ Zuletzt seien die Infektionen in der Landeshauptstadt ebenfalls gestiegen. „Ich gebe zu, da denkt man schon auch darüber nach, ob nicht auch im städtischen Bereich eine Impfpflicht notwendig wäre.“

Andererseits bereitet Willi das Impftempo Sorgen. „Land und Stadt schöpfen alle Möglichkeiten aus, um die Impfangebote so niederschwellig wie möglich anzubieten. Wir müssen das Impftempo einfach beschleunigen.“ Auch aus diesem Grund befürworte Georg Willi eine teilweise Impfpflicht. Christiane Druml schlägt jedenfalls eine bundesweite Lösung für die erweiterte Impfpflicht vor. Ein autonomes Agieren der Bundesländer in dieser Frage halte sie für absurd. „Ich wüsste nicht, warum es epidemiologisch begründbar ist, dass es in einem Bundesland die Verpflichtung gibt, im anderen nicht.“

Krisensitzung zu PCR-Tests

Die Verwirrung und die Startschwierigkeiten rund um die Neuvergabe von PCR-Testungen in Tirol dürften heute ein Nachspiel haben. Offenbar fordern Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) Aufklärung über die jüngsten Vorkommnisse. Vor allem das Wiener Großlabor Lifebrain, das für die Tests im Oberland und im Unterland zuständig ist, startete wegen Schnittstellenproblemen mit Verspätung. Die Zusammenarbeit der Virologie der Medizinischen Universität Innsbruck mit der Lab-Truck-Nachfolgefirma soll ebenfalls thematisiert werden. Die MedUni sieht hier das Land in der Pflicht. Schließlich habe man immer klar mitgeteilt, dass man die Testauswertungen in Osttirol in Zusammenarbeit mit der Firma Novatium durchführe.

7600 Impfungen am Wochenende

Gestern wurden in den geöffneten Impfzentren Imst und Telfs weitere rund 200 Erst- und 350 Zweitimpfungen ohne Termin verzeichnet. Die Gesamtbilanz für das Wochenende von Freitag bis heute weist insgesamt 7600 Impfungen aus. Rund 3600 Personen erhielten im Rahmen der Impfungen ohne Anmeldung die Erstimpfung, 4000 Personen die zweite Immunisierung.

Bereits am Dienstag (Innsbruck) und Freitag (in den restlichen Bezirken) gibt es wieder die Möglichkeit für Impfungen ohne Anmeldung. Denn die Durchimpfungsrate lässt noch zu wünschen übrig. „Derzeit haben wir unser Ziel in vielen Gemeinden noch nicht erreicht: In einigen Tiroler Gemeinden liegen wir noch im Bereich der 40 Prozent“, sagt Gesundheits-LR Leja.


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