Festspiele Erl: Der Schwan musste zuhause bleiben

Lohengrin-Premiere im Erler Passionsspielhaus: ein Abend voller Rätsel und musikalischer Höhepunkte.

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Die Frau mit der Kettensäge: Dshamilja Kaiser begeisterte als temperamentvolle Ortrud.
© Xiomara Bender

Von Wolfgang Otter

Erl – Richard Wagner liebte das Mystische und Rätselhafte. Auch in seiner Oper „Lohengrin“, mit der er zugleich die Tore in neue musikalische Sphären aufstieß. Lohengrin steht nicht nur für eine alte Sagengestalt, sondern für den Kampf des Alten gegen das Neue. Das Streben nach der bedingungslosen glaubenden Liebe, die nicht hinterfragt. Nur die Hauptfigur Elsa von Brabant kann sich nicht an das Frageverbot ihres Retters Lohengrin halten, nachdem sie von Ortrud und Friedrich von Telramund dazu aufgewiegelt wird. Letztlich verliert dadurch Elsa ihr Glück. Also viel Platz für Symbolik und Rätselhaftes und Katharina Thoma verpackt das auch in ihrer Inszenierung bei den Erler Festspielen auf der Bühne des Passionsspielhauses.

Lohengrin kommt auch nicht mit dem Schwan, aber mit einer weißen Violine auf die Bühne. Irina Bartels Kostüme symbolisieren mit Latzhosen und Nadelstreif und historischem Gewand den Widerstreit des Neuen mit dem Alten. Das Spiel entwickelt sich rund um ein Boot (Bühnenbild von Johannes Leiacker), das dem Narrenschiff von Hieronymus Bosch nachempfunden ist, mit dem er einst die Menschheit auf den Weg in den Untergang schickte. Zuletzt kommt sogar eine Kettensäge ins Spiel, mit dem eine irre gewordene Ortrud den mystischen Baum umschneiden will, aus dem letztlich der vermisste Bruder von Elsa wieder auf die Erde hinabsteigt.

Ja, da ist was los beim Erler Lohengrin – zumeist kraftvoll und leidenschaftlich gespielt und gesungen. Dirigent Titus Engel, der mit einem exzellent spielenden Festspielorchester auf der Bühne des großen Passionsspielhauses hinter einem Vorhang agiert, traf die rechten Tempi und Zwischentöne. Wagners Musik geriet wuchtig, verträumt und im Gralsthema der Erde entrückt – eine hörenswerte Darbietung. Besonders der zweite Akt entwickelte sich zum musikalischen Höhepunkt des Abends. Dshamilja Kaiser als ehrgeizig frustrierte Ortrud, Gattin des an Lohengrin gescheiterten Friedrich von Telramund (gesungen von Andrew Foster-Williams) war dafür verantwortlich: Welch eine Sängerin! Temperamentvoll und feurig oder bettelnd und weinend. Kaiser bewies Vielseitigkeit, da war die strahlend singende Christina Nilsson als Elsa von Brabant verloren, konnte Ortrud nur mit in ihr Haus nehmen, um damit den Untergang einzuleiten. AJ Glueckert als Lohengrin blieb etwas statisch und leidenschaftslos angesichts der Frauenpower. Andreas Bauer Kanabas als Heinrich war hingegen stimmlich wie musikalisch eine echte Fürstenfigur, genauso konnten Domen Križaj als Heerrufer und der Festspielchor überzeugen.

Die Oper Lohengrin ist noch einmal am 31. Juli um 17 Uhr in Erl zu sehen.


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