Rexel-Chef: „Nicht so heiß gegessen wie gekocht“

Rexel-Chef Robert Pfarrwaller über längere Lieferzeiten und die zu erwartenden Preisanstiege im Elektronik-Handel.

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Rexel-Boss Robert Pfarrwaller sieht baldige Entspannung.
© ivanashots

Welche Ursachen haben die aktuellen Lieferengpässe?

Robert Pfarrwaller: Es gibt derzeit einen Nachfrageboom und dies führte zu einer Knappheit bei Rohstoffen, die wichtige Bestandteile technischer Geräte sind, allen voran Mikrochips. Dabei treffen mehrere Faktoren aufeinander: die Knappheit bei Halbleitern, begrenzte Containerkapazitäten, steigende Transportkosten sowie der Anstieg bei Rohstoffpreisen. Viele äußere Umständen wie Digitalisierung, Renovierungsboom, Investitionsprämie, Green Deal und vieles mehr wirken positiv auf den Markt – und das erzeugt Druck bei Verfügbarkeiten und Preisen.

In vielen anderen Branchen wirkt sich das jetzt schon auf Verfügbarkeit und auch die Preise aus?

Pfarrwaller: Ich kann an dieser Stelle mit Sicherheit sagen, dass der Einzelhandel und auch wir als Großhändler in der Elektrobranche aktuell ihr Bestes geben, um die Warenverfügbarkeit sicherzustellen. Auf die Preisentwicklung, die international betrieben wird, haben wir in Österreich aber wenig Einfluss. Für den Endkonsumenten ist die Situation aber nicht so gravierend, wie sie scheint. Denn die Materialkosten in der Elektrobranche haben einen geringeren Anteil an den Gesamtkosten.

Also muss ich mir als Konsument keine Sorgen machen?

Pfarrwaller: Wenn man ein Elektrogerät braucht, bekommt man es auch. Bei bestimmten Marken und Modellen gibt es aber Verzögerungen, und wenn jemand genau darauf besteht, wird es eben schwierig. Aber es gibt immer Alternativen.

Zeichnen sich hier nicht doch auch langfristige Veränderungen ab?

Pfarrwaller: In der heutigen Zeit stehen eher kurzfristige Zyklen an der Tagesordnung. Das heißt, anders als früher, wo es meist einmal pro Jahr eine Preisanpassung gab, sind nun mehrere Preiserhöhungen in kurzen Abständen sehr wahrscheinlich – allein aufgrund der verschiedenen Rohstoffe, die in der Produktion benötigt werden. Für den Handel bringt dies enorme Herausforderungen mit sich. Denn wer heute kein Angebot abgibt, hat keine langfristige Planungs- und Kostensicherheit.

Wie lange werden die Probleme noch anhalten.

Pfarrwaller: Wir rechnen mit einer Entspannung bei den Konsumgütern ab Herbst. Nicht zuletzt, weil Geldmittel wieder in Dinge wie Urlaub, Gastronomie und Unterhaltung fließen werden, wodurch sich die Nachfrage nach Elektrogeräten auf ein Vorkrisen-Niveau einpendeln wird – es wird also nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Die Fragen stellte Hugo Müllner


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