Gurgl beweist Rückgrat und hat sich Optimismus erhalten

Das hinterste Ötztal war im Vorjahr und heuer tagelang nicht über die Tiroler Seite erreichbar. Umwege und Mehraufwand waren die Folge.

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In Gurgl herrschen Aufbruchsstimmung und Optimismus, nachdem vergangene Woche die Straßensperre aufgehoben werden konnte. Einheimische wie Touristen benötigen jedoch eine langfristige Perspektive.
© Bernd Ritschel

Von Thomas Parth

Sölden, Gurgl – „Wir hatten 14 Monate geschlossen“, packt Magdalena Nösig-Gstrein vom Mühle Resort in Gurgl die Fakten auf den Tisch: „Aber aufzugeben war für uns nie eine Option. Für uns war klar: Egal, wie lange Corona oder die Straßensperre dauert, wir kommen besser zurück als zuvor!“ Damit fasst die Hotelierin auch den „Kampfgeist“ der geplagten Hinterötztaler in Worte. „Nach Corona, der Brandkatastrophe am Crosspoint und den Straßensperren im letzten und heurigen Jahr scheint der Optimismus der Unternehmer in Gurgl grenzenlos!“, lobt der Imster Wirtschaftskammer-Obmann, Josef Huber.

Aktuell werden die Roßkarbahn oder das Motorradmuseum am Top-Mountain-Crosspoint sowie mehrere kleinere Bauten errichtet. Huber ist selbst mit seiner Baufirma in Gurgl tätig. „Es sind in Wahrheit enorme Anstrengungen, die getroffen werden, um Fertigstellungstermine trotz aller Widrigkeiten halten zu können“, zeigt Huber auf: „Bauarbeiter gehen zu Fuß zur Baustelle oder sie werden über den Brenner und das Passeiertal, über den Timmel, mit einem Shuttle gebracht und nächtigen vor Ort.“

Ebenso läuft es mit den Baumaterialien. Um diese über Südtirol befördern zu können, bedarf es einer Sondergenehmigung, da normalerweise keine Schwerfahrzeuge die Timmelsjochstraße auf italienischer Seite befahren dürfen. „Großartig ist die Unterstützung von allen Seiten“, lobt Huber. Sowohl Arbeiter und Tourismus, der Betten zur Verfügung stellt, als auch die Behörden würden stets eine große Bereitschaft an den Tag legen, um alle Unbill durch die zwischenzeitlich aufgehobene Straßensperre wettzumachen.

Der Leiter des Imster Baubezirksamtes, Bernd Stigger, weiß um die prekäre Situation rund um die Klamm- und Leckgalerie: „Der Hang oberhalb der beiden Galerien weist wasserführende Schichten auf. Wir hoffen darauf, dass sich die Situation kurzfristig beruhigt, was uns die Zeit verschafft, an einer langfristigen technischen Lösung des Problems zu arbeiten.“ Alle Berechnungen sind deshalb so schwierig, weil sich Niederschläge erst zeitversetzt bemerkbar machen. Darum kontrolliert die Straßenmeisterei die Stelle hinsichtlich Sicherheit. Die Befahrbarkeit durch den Verkehr von und nach Gurgl ist somit vorerst zweistreifig gewährleistet.

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Für Touristiker Dominic Kuen von Ötztal Tourismus, der als Destinationsleiter in Gurgl fungiert, spielt die Planbarkeit eine große Rolle: „Es herrscht Aufbruchsstimmung in Gurgl, aber die Zubringerprobleme haben uns schon ein wenig ausgebremst.“ Der fehlende Tagesgast sei stark spürbar, da dieser in erster Linie aus dem Ötztal anreise bzw. nach Südtirol weiterfahre. „Aus dem Passeiertal kommen kaum Gäste nach Gurgl übers Timmelsjoch“, weiß Kuen. In den vergangenen Tagen sei man sehr gefordert gewesen, Gäste, Hotelpersonal oder Bauarbeiter mittels Shuttle-Lösungen nach Gurgl zu bekommen. Kuen hofft auf beständiges „trockenes“ Wetter, schließlich stehe mit dem Ötztaler Radmarathon bereits in wenigen Wochen eine touristische Großveranstaltung vor der Türe. „Wir brauchen eine langfristige Lösung“, unterstreicht Kuen.

„Wir mussten zwei Lieferungen ausschreiben. Eine für unsere Hütte, die vor der Sperre lag. Und eine für unser Hotel, das über die Südtiroler Seite und das Timmelsjoch beliefert werden musste“, führt Hotelierin Nösig-Gstrein vor Augen. Anreisende Hotelgäste wurden aufgrund der Straßensperren kurzerhand im Ötztal untergebracht. „Es befanden sich zweitweise 30 Gäste in Ersatzunterkünften, während sich unser Personal einen Rucksack schnürte und zu Fuß nach Gurgl kam“, dankt Nösig-Gstrein allen Helfern. Die Touristikerin fordert: „Wir brauchen wirtschaftliche und physische Sicherheit.“


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