Massenimpfung im Bezirk Schwaz war wirkungsvoll

Eine Studie der Uni Salzburg in Zusammenarbeit mit der Med-Uni Innsbruck zeigt eine hohe Wirksamkeit der Durchimpfung auch gegen Coronavirus-Varianten.

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Im März und dann im April wurden 46.000 Bewohner des Bezirkes Schwaz geimpft.
© Böhm

Von Peter Nindler

Innsbruck, Salzburg – Seit gestern liegt eine Vorab-Publikation zu einer wissenschaftlichen Studie über die Effizienz der Massenimpfung im Bezirk Schwaz im März und April vor. Wegen der Ausbreitung der südafrikanischen Coronavirus-Mutation wurde der Bezirk mit 100.000 vorgezogenen Impfdosen von BioNTech/Pfizer durchgeimpft. An der Expertise sind die Universität Salzburg mit Jörg Paetzold und Hannes Winner, die Medizinische Universität Innsbruck mit Dorothee von Laer, Janine Kimpel und Katie Bates sowie Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York und Michael Hummer von der Gesundheit Österreich beteiligt. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse sind eindeutig.

„Die Studie weist auf eine hohe Wirksamkeit der Massenimpfung hin. Sie wirkt auch bei Fluchtmutationen.“ – Janine Kimpel (Virologin der Med-Uni Innsbruck)

Janine Kimpel spricht gegenüber der TT von einer hohen Wirksamkeit der Massenimpfung. Von der Methodik her wurde die Region Schwaz mit anderen „synthetischen“ Bezirken in Österreich verglichen, die eine ähnliche Struktur und ein damals vergleichbares Infektionsgeschehen aufwiesen. Kimpel: „Innerhalb von wenigen Tagen konnte die Impfquote auf mehr als 70 Prozent erhöht werden, danach nahm das Infektionsgeschehen um 60 Prozent gegenüber den Vergleichsregionen ab.“ Zum anderen stellte man die Effektivität der Impfung so genannten Kontrollgemeinden an der Bezirksgrenze zu Schwaz gegenüber, deren Bewohner erst im geringen Ausmaß immunisiert waren und die im März lediglich eine geringe Impfquote hatten.

„Die Unterschiede waren beträchtlich“

„Die Unterschiede waren beträchtlich. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass mit der schnellen Massenimpfkampagne im Bezirk Schwaz nicht nur generell die Corona-Infektionen eingedämmt werden konnten, sondern auch die Ausbreitung der damals aufgetretenen Fluchtmutationen“, betont die Virologin Janine Kimpel. Was allgemein an den rückläufigen Fällen ablesbar war, wurde somit wissenschaftlich untermauert. Ein weiterer positiver Effekt der Impfung sei in Folge die deutliche Reduzierung der Hospitalisierungen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gewesen – vor allem auf den Intensivstationen in den Spitälern.

Doch nicht nur regionale Vergleiche haben die Experten gezogen, sondern es ging ihnen auch um die Wirkung der Impfung bei der jüngeren Altersgruppe. Laut Studie entfaltete die Durchimpfung besonders bei ihr eine hohe Wirkung. Im Bezirk Schwaz wurde ab 16 Jahren immunisiert. Kimpel: „In den anderen Landesteilen waren die unter 30-Jährigen ja noch weitgehend ungeimpft.“ Schlussendlich sei der massive Effekt der Impfkampagne eindeutig bewiesen, ergänzt Kimpel.

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Für die Innsbrucker Wissenschafterin beinhaltet die vorliegende Studie auch eine Konsequenz für die aktuelle Corona-Entwicklung. „Es benötigt eine hohe Immunität in der Bevölkerung, um sich gegen eine mögliche vierte Welle im Herbst zu wappnen. Dazu zählen Genesene und Geimpfte.“ Für Kimpel wäre aber generell eine hohe Durchimpfungsrate wünschenswert. Jetzt wird die Studie einem wissenschaftlichen „Journal“ übermittelt.


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