Corona-Jahr verzögert Auszahlung der Familienbeihilfe

Wegen Rückstau bei Prüfung von Ansprüchen verzögert sich die Auszahlung der Familienbeihilfe, Caritas ortet zunehmende Not.

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Verzögerungen bei der Auszahlung der Familienbeihilfe setzt junge Familien unter Druck.
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Von Verena Langegger

Innsbruck, Wien – Wer derzeit schon ein paar Monate auf die Familienbeihilfe wartet, ist in Tirol kein Einzelfall. Selbst wenn sämtliche Unterlagen, wie Studien- oder Schulbesuchsbestätigung, bereits eingereicht wurden. Die Sozialberatungsstellen der Caritas in den Bezirken sind täglich mit dem Thema befasst, berichtet deren Leiterin, Andrea Ertl-Stigger. Auch beim Kinderbetreuungsgeld gebe es massive Verzögerungen. Dieses wird nämlich erst gewährt, wenn ein positiver Bescheid über den Erhalt der Familienbeihilfe zugestellt ist.

„Für viele junge Familien ist das Kinderbetreuungs- oder Karenzgeld aber ein recht großer Teil des Familieneinkommens“, erklärt Ertl-Stigger. Zwar werden Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe nachträglich ausbezahlt, in der Zwischenzeit komme es aber oft zu finanziellen Engpässen. Sehr oft müsse dann die Caritas mit den Familien Mindestsicherung beantragen. Die Rückzahlung dieser Mindestsicherung als Zwischenlösung – wenn dann Kinderbetreuungsgeld und Familienbeihilfe gewährt werden – sei aber extrem kompliziert. Grund für den Rückstau bei den Bearbeitungen sei das Corona-Jahr, heißt es aus dem Finanzministerium.

„Seit Mitte März 2020 wurden die Anspruchsüberprüfungen ausgesetzt, um Familien im Sinne einer serviceorientierten Finanzverwaltung während der Corona-Krise zusätzlich zu unterstützen“, sagt Ministeriumssprecher Stefan Trittner. Das bedeute, dass jene Familien, die ihren Anspruch auf Familienbeihilfe nicht von sich aus nachgewiesen haben, die Familienbeihilfe ein Jahr lang trotzdem weiter ausbezahlt bekommen haben. Nun wird aber geprüft.

Seit dem Frühjahr 2021 flattern Familien Aufforderungen, ihre Anspruchsberechtigung nachzuweisen, ins Haus. Rund 90 Prozent dieser Anschreiben seien bereits erledigt, die übrigen „werden schnellstmöglich bearbeitet“, sagt Trittner. Mit der Umstrukturierung des Finanzamtes habe die lange Wartezeit nichts zu tun, diese sei „im Wesentlichen abgeschlossen“. Anfang 2021 trat die Reform der Finanzverwaltung in Kraft, 40 Finanz- und 9 Zollämter, die Großbetriebsprüfung, die Finanzpolizei sowie die Steuerfahndung wurden zu 5 Ämtern: den beiden Finanzämtern (Finanzamt Österreich und Finanzamt für Großbetriebe), dem Zollamt, dem Amt für Betrugsbekämpfung sowie dem Prüfdienst für lohnabhängige Abgaben und Beiträge.


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