Serienexperiment „Ich und die Anderen“: Schrill, schnell, schnelllebig

David Schalko wagt mit „Ich und die Anderen“ ein besonderes Serienexperiment. Ab morgen bei Sky.

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Keine Lösung parat: Tom Schilling (Tristan) und Katharina Schüttler (Julia) in „Ich und die Anderen“.
© Sky

Innsbruck – Die Wünsche sind beim Taxifahrer zu deponieren. Angenommen werden nicht nur Reiseziele, sondern auch die großen Wünsche und Fragen des Lebens. Aber Achtung! Der Taxifahrer ist ausschließlich für Tristan zuständig, denn dieser hat es nicht leicht mit den Anderen. In 17 Beziehungen und 14 Freundeskreisen, trotz 108 Sexpartnerinnen, 38 besten Freunden ist er den Leuten um sich herum nicht näher gekommen. Ist er weniger alleine, wenn er sich absolut transparent macht? Wenn er alle alles über ihn wissen lässt?

Mit dieser – zuweilen schmerzlichen Erfahrung beginnt Tristans sechstägige Reise in der neuen, wirklich abgedrehten Serie „Ich und die Anderen“ von David Schalko. Nach der Premiere auf der Berlinale startet sie morgen bei Sky. Und die Produktion bricht, das wird ab Folge 1 klar, schonungslos mit tradierten Konventionen. Keine lineare Erzählung, keine fix festgeschriebenen Charaktere. Alles ist beweglich, vital, gleichzeitig. Und richtet sich nach Tristans Wünschen aus.

📽️ Video | Trailer zu „Ich und die Anderen“:

Dabei wird dieser zunächst als Mann ohne Eigenschaften beschrieben, ein Suchender. Um ihn herum schwirren etliche kuriose Gestalten: eine schwangere Freundin, viele Exen, ein Freund, die exzentrische Familie. Sie alle wissen zu Beginn alles über ihn, auch Fremde auf der Straße kennen jeden noch so dunklen Gedanken. Warum? Das bleibt Nebensache. Lieber lässt Schalko, der hier Drehbuch und Regie verantwortet, das Publikum in die Irre laufen. Einzige Kontinuität: Jeden Tag gilt eine neue Prämisse.

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Mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hat die Serie also nichts gemein. Im Gegenteil: Jeder Tag ist anders, hat positive und negative Eigenschaften. Mal sind alle zu allen ehrlich, mal lieben alle Tristan, mal liebt er alle, mal entscheidet Künstliche Intelligenz.

Das geht alles nur deshalb gut, weil der Seriencast exzellent arbeitet. Tom Schilling als Tristan erfindet sich mit jedem Wunsch, den er äußert, neu, er lässt sich von der Handlung treiben. Er und die mysteriöse Mavi Hörbiger als (u. a.!) Exfreundin Franziska sind jene, die die Erzählung beeinflussen. Alle anderen spielen das Spiel mit, Lars Eidinger als abgehobener Agenturchef Brandt, Sophie Rois als exzentrische Mutter („Ich war dir eine schlechte Mutter. Also erwarte ich von dir, dass du ein schlechter Sohn bist. Das gebietet der Anstand“) und Martin Wuttke als schwanzfixierter Vater. Die Schwester heißt natürlich Isolde und ist Künstlerin.

Nicht nur die 68er werden herrlich persifliert, auch die verlogene Kunstwelt oder die woke Gesellschaft. Gepresst wird die Story in farbsatte Bilder, die einem treibenden Soundtrack auf den Fersen sind. „Ich und die Anderen“ ist schrill, schnell und schnelllebig. Kurzlebig wird sie dort, wo die Erzählung zugunsten des Experiments leidet. Denn irgendwann wird Unvorhersehbarkeit vorhersehbar. Wer dachte, „M-Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist schon eine Klasse für sich, soll sich an dieser Serie erst gar nicht versuchen. Jene, die eine wirkliche Serienabwechslung suchen, finden sie hier. (bunt)

📺 Ich und die Anderen. Ab morgen via Sky abrufbar.


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