Unwetter in Deutschland: Warnsystem Cell Broadcast dürfte kommen

Die Technologie „Cell Broadcast“ macht Warnmeldungen über das Mobilfunknetz möglich, die automatisch an alle in einem Netzabschnitt angemeldeten Mobiltelefone gehen. Der Handy-Alarm für alle soll Sirenen und die Warn-App NINA ergänzen.

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© ROBERT JAEGER

Berlin, Wien – Die Unwetter in Deutschland bedeuten auch Rückenwind für eine Technologie, die als Warnsystem – etwa bei drohenden Naturkatastrophen – bisher als verpönt galt: Cell Broadcast. Damit sind Warnmeldungen über das Mobilfunknetz gemeint, die automatisch an alle in einem Netzabschnitt angemeldeten Mobiltelefone gehen.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (CSU).
© Thomas Boehm / TT

Der Handy-Alarm für alle soll Sirenen und die Warn-App NINA ergänzen. Innenminister Horst Seehofer (CSU) kündigt an: "Ich glaube, man kann das in diesem Jahr hinbringen." Diese Ankündigung sei wohl nicht so zu verstehen, dass dieses Warnsystem noch in diesem Jahr aktiviert würde. Mobilfunkbetreiber halten sich bisher bedeckt, wie lange sie benötigen würden, um das System an den Start zu bringen. Telefonica Deutschland sagte, aktuell werde allgemein mit einer Dauer von rund zwölf Monaten gerechnet, bis Cell Broadcasting implementiert wäre - vorher müsse allerdings die gesetzliche Grundlage geklärt sein.

In Österreicht ist KATWARN im Einsatz

Die Möglichkeit, alle in einem bestimmten Gebiet eingeloggten Mobiltelefone mit einem SMS für eine Warnung zu erreichen, setzt eine rechtliche Zulässigkeit voraus, stellte das österreichische Innenministerium klar. Hierzulande wurde KATWARN (eine Katastrophenwarnung u.a. via Gratis-App) etabliert, das bereits 2017 in den Probebetrieb ging, um sowohl den zuständigen Bundesländern als auch dem BMI ein Instrument zur individuellen Erreichbarkeit der in einem bestimmten Gebiet aufhältigen Menschen in die Hand zu geben. Damit wurde auch einer EU-Vorgabe entsprochen, bis Sommer 2022 ein Bevölkerungswarnsystem einzurichten.

KATWARN könne verschiedene Informationskanäle anspeisen, eine App genauso wie eine SMS. Auf Basis der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen erfolgt dabei keine "Zwangsbeteilung" sondern der Empfang basiert auf der Bereitschaft, derartige Informationen/Warnungen erhalten zu wollen.

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Ein SMS sei nur eine von vielen Kommunikationsmöglichkeiten. Bei einer Warnung der Bevölkerung setze man auf möglichst unterschiedliche und den jeweiligen Bevölkerungsschichten angepasste Informationskanäle wie Radio- und TV-Nachrichten, Sirene, Social Media, etc., stellte das Ressort klar.

KATWARN verfüge über eine Reihe weiterer Features, etwa sich zu bestimmten Örtlichkeiten Informationen übermitteln zu lassen, unabhängig vom aktuellen Aufenthaltsort. Sollte Cell-Broadcast als ein weiterer Infomations- und Warnkanal in Österreich umgesetzt werden, die Federführung liegt bei den aktuellen diesbezüglichen Prüfungen beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (BMLRT), könne es gleichfalls von KATWARN angesteuert werden.

Die App wurde in Österreich aktuell von rund 104.000 Personen heruntergeladen. Die Entscheidung, wann eine Warnung verschickt wird, liegt bei den zuständigen Behörden – also oftmals in den Ländern. Zuletzt wurden solche im Rahmen der aktuellen Unwetter ausgelöst. (APA/dpa)


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