Testpflicht bei Einreise könnte die Urlaubslust in Tirol trüben

Deutschland wird vermutlich ab August von Reiserückkehrern einen Test verlangen. Tirol will Durchreisenden Gratis-Tests verwehren.

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Wenn es auch am Landweg Corona-Tests zur Einreise braucht, könnten sich an der Grenze Staus bilden.
© APA/Groder

Innsbruck, Berlin – Österreich ist so etwas wie das Corona-Test-Schlaraffenland. Kein anderes Land fährt eine derart flächendeckende Gratis-Teststrategie. In den meisten Ländern ringsum muss man Corona-Tests aus der eigenen Tasche bezahlen, in Österreich übernimmt das der Steuerzahler. Selbst Urlauber, die hier nächtigen, werden gratis getestet. Die meisten mittels Selbsttest im Hotel. Die Tiroler Landesregierung sah dies als Investment in die Tourismusbranche.

Nun steht in mehrerlei Hinsicht Ungemach aus Deutschland ins Haus. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) streben an, dass künftig grundsätzlich ein negativer Test nötig sein soll, egal, von wo und mit welchen Verkehrsmitteln man kommt. Eine generelle Testpflicht bei der Einreise besteht schon für alle Flugpassagiere.

Staus an Grenze vorprogrammiert

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) hatte am Dienstagabend in der ARD gesagt, der Bund habe zugesichert, er werde bis zum 1. August alles probieren, um eine einheitliche Testpflicht einzuführen, „nicht nur für Flugreisen, sondern auch beispielsweise für alles, was am normalen Autoweg oder Bahnweg kommt“.

Das wiederum könnte bedeuten, dass es zu Staus an Tirols Grenzen kommt, so denn dort kontrolliert wird, ob ein negativer Test vorliegt. Ob es nun ein Antigen-Test oder ein PCR-Test sein soll, war gestern noch offen. Derzeit gibt es innerhalb Deutschlands unterschiedliche Regelungen. Kommt der Fluggast aus einem Corona-Sorglos-Gebiet, reicht ein Antigen-Test, sonst wird ein PCR-Test fällig.

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„Das wird es nicht geben“

Österreich bietet beides „gratis“ an: Antigen-Tests in Teststraßen, Apotheken oder bei Ärzten, neu sind Gratis-PCR-Tests bei Apotheken. Die Teststraßen hat Tirol aufgrund der steigenden Impfrate reduziert. Nun will das Land sicherstellen, dass deutsche Reiserückkehrer aus Italien oder sonstwo sich nicht bei der Durchreise in Tirol gratis testen lassen. „Das wird es nicht geben“, heißt es dazu aus dem Krisenstab des Landes. „Wenn man sich über ‚Tirol testet‘ anmeldet, muss man eine Tiroler Adresse angeben, sonst bekommt man kein Ticket.“ Deutsche Tirol-Urlauber tragen die Adresse ihres Hotels in Tirol ein. Ob das vor Missbrauch schützt, bleibt abzuwarten.

Engmaschiger ist die Anmeldung bei Apotheken, wo es Antigen- und jetzt auch PCR-Tests gratis gibt. Um an die Tests zu kommen, braucht es eine österreichische Sozialversicherungsnummer.

Die deutsche Bundesregierung hat gestern jedenfalls offen gelassen, wann sie die Regelung für Reiserückkehrer einführen will. Kanzlerin Angela Merkel spreche darüber am 10. August mit ihren Corona-Beratern. Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder geht das zu langsam. Er hat bereits letzte Woche nach schärferen Regeln gerufen. „Eine Quarantäne-Verordnung erst nach den Ferien ergibt keinen Sinn.“ Einreisetests oder gar Quarantäne auch für Geimpfte und Genesene in manchen Fällen könnten die Urlaubslust trüben. (aheu, dpa)


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