Lauter Ruf nach mehr Geld für Gewaltprävention in Tirol

Die finanziellen Mittel für Männerberatungsstellen gehören aufgestockt, fordern Tirols Kinder- und Jugendanwältin, SPÖ und FPÖ.

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Seit Jahren mahnen Experten, mehr in den Gewalt- und Opferschutz in Österreich zu investieren.
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Innsbruck – Viel Geld bräuchte es nicht. Mit 100.000 Euro könnte man beim Tiroler Verein Mannsbilder alle Männer betreuen, die sich wegen ihres Hangs zur Aggressivität helfen lassen wollen. Die finanziellen Mittel will aber niemand zur Verfügung stellen. Und deshalb mussten allein in jüngerer Vergangenheit, wie berichtet, 70 potenzielle Klienten abgewiesen werden. „Da melden sich Männer in ihrer Not und wir können nur zwei, drei Telefonate führen“, sagte Obmann Martin Christandl zur .

Dabei ist Präventionsarbeit laut Experten ein wesentlicher Baustein für nachhaltigen Opferschutz. Auch Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser vertritt diese Meinung seit Jahren und forderte immer wieder höhere öffentliche Investitionen in diesem Bereich. „Von vielen Seiten wurde Bereitschaft signalisiert, sich des Themas anzunehmen“, meint sie. „Passiert ist bis dato wenig bis nichts.“ Von Seiten der Politik gebe es immer nur Beteuerungen, wie wichtig das alles wäre. Konkrete, allen voran finanzielle Taten blieben meist aus. „Durch entsprechende Präventionsarbeit könnte viel Leid verhindert werden.“ Bedeutend mehr Geld für entsprechende Projekte müsse die logische Konsequenz sein. „Die Folgekosten von Gewalt sind um ein Vielfaches höher.“

Ähnlich sieht es die Tiroler SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim. „Gewalt gegen Frauen ist in Österreich ein tief sitzendes gesellschaftliches Problem. Strategien dagegen gibt es“, erklärt sie. Besonders aber von der Bundesregierung in Wien würden diese „nicht oder nur sehr zögerlich umgesetzt.“ Das Frauenbudget im Bund beträgt aktuell 14,6 Mio. Euro. „Dass damit keine großen Sprünge zu machen sind, dürfte jedem und jeder klar sein. Für den Schutz von Frauen vor Männergewalt fehlt vor allem eines: das Geld.“ Sie fordert insgesamt 228 Millionen Euro Budget für die Sicherung und Ausweitung der Arbeit aller österreichischen Gewaltschutzorganisationen.

Jeder Cent, der für solche Einrichtungen aufgebracht werde, sei „gut investiert“, erklärt Tirols FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger. Fehlende Mittel seien ein enormes Risiko, Leidtragende „Frauen und Kinder, die dringende Hilfe benötigen würden“. Sowohl Bundes- als auch Landesregierung ruft Abwerzger zum Kurswechsel auf, denn „jedes Opfer ist eines zu viel“. (bfk)


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