Erler Festspiele: Von der Leichtigkeit des Klavierspiels

Die Briten Paul Lewis und Andrew Manze und die Camerata Salzburg gingen auf die Suche nach der Seele Beethovens.

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Paul Lewis spielte alle fünf Klavierkonzerte von Beethoven bei den Erler Festspielen.
© Otter

Von Wolfgang Otter

Erl – 2020 wäre das Jahr von Ludwig van Beethoven gewesen. 250 Jahre zuvor hatte er das Licht der Welt erblickt, also fürwahr ein Grund für die Musikfamilie zum Feiern. Aber selbst der Titan der Musik musste sich dem winzigen Virus beugen. Viele Konzerte wurden abgesagt oder verschoben. Dabei braucht es keine Jubiläumsanimation, um Beethoven zu würdigen und zu genießen. Vor allem nicht, wenn er von derart hervorragenden Musikern wie Paul Lewis und der Camerata Salzburg unter Dirigent Andrew Manze gespielt wird.

Lewis hat es sich zur Mammutaufgabe gemacht, bei den Erler Festspielen die fünf Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven erklingen zu lassen – aufgeteilt auf drei Abende. Am Mittwoch, dem zweiten Abend, erklang Beethovens erstes Klavierkonzert in C-Dur und sein drittes in C-Moll. Garniert mit Franz Schuberts leichter, volksliedhafter und so natürlicher Sinfonie Nr. 3 in D-Dur zum Einstieg.

Andrew Manze ist ein Dirigent, der die Kontraste betont, tänzerische Passagen genießt, mit seinen Musikerinnen und Musikern im steten Dialog bleibt. Leicht und flüssig und doch kompakt finden er und die Camerata Salzburg den richtigen Ton. Und damit ist die Brücke zu Beethovens erstem Klavierkonzert geschlagen. Leicht und flüssig ist auch dieses komponiert. Natürlich ist da noch viel Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart drinnen. Aber Beethovens so typische Klangsprache und Partiturarbeit, sein Genie machen aus einem ganz einfachen Thema ein Klangerlebnis. Im zweiten Satz betritt er ohnedies ganz neue Dimensionen.

Lewis und Manze und die Camerata geraten beim Spielen ins Plaudern, der eine wirft eine Frage auf, der andere antwortet: Pfiffig, etwas verschmitzt, ein Gespräch unter guten Freunden. Unterbrochen von einer Schwärmerei im zweiten Satz, schwebend, aber nie tragisch oder schwer – einfach nur schön gespielt.

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Lewis beweist die Leichtigkeit und Natürlichkeit des Klavierspiels. Zur tadellosen Technik gesellt sich eine moderne, lockere und doch komplett stimmige Herangehensweise an die Interpretation. Das zeigt sich auch in seinem unverkrampften Pedaleinsatz.

So ganz anders die Stimmung dann beim dritten Klavierkonzert in C-Moll, nicht nur der Tonart wegen. Beethoven war Zeit seines Lebens als Komponist ein Suchender. Das dritte Klavierkonzert wollte er an Mozart anlehnen, um sich letztlich dann doch ganz zu befreien. Düster, vorsichtig fragend, ja suchend beginnen Lewis und Manze, um im zweiten Satz bei einer Pause der Erschöpfung innezuhalten und dann im Rondo Optimismus zu verspüren.

Die Briten Lewis und Manze sowie die Camerata Salzburg haben sich auf die Suche nach Beethovens Seele gemacht – und sie gefunden.


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