Billie Eilish „Happier Than Ever“: Zeitgenössisch zeitlos

Mit happy Sound hat „Happier Than Ever“ von Billie Eilish wenig gemein. Wieder trifft sie den richtigen Ton.

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Gelangweilte Blicke und viel Inhalt: Billie Eilishs „Happier Than Ever“ wurde gestern veröffentlicht.
© Universal

Innsbruck – Als Billie Eilish im Mai 2021 ihre „baggy clothes“ ablegte, sich in eine Korsage schnallte und auf dem Vogue-Cover ablichten ließ, zeigten sich viele empört. Gerade sie, die sich der Körperbeschau durch weite Kleidung immer bewusst entzog, zieht sich aus! „Ja, und?“, entgegnete Billie Eilish der Kritik via Instagram. Auf „Happier Than Ever“, ihrem zweiten Album, das seit gestern vorliegt, legt sie nach. Mit einem gesprochenen Disclaimer: „Ist mein Körper, mit dem ich geboren bin, nicht das, was du wolltest?“ Ihre Message ist klar: Es liegt nicht in meiner Verantwortung – „Not My Responsibility“. Urteile anderer? Mir wurscht.

„Freshman“ ist Billie Eilish im Popbiz ja keiner mehr, „Happier Than Ever“ ist ihr „Sophomore“-Album, was in den USA bedeutet, dass sie im zweiten Jahr ist. Quasi erwachsen. Fix ist, mit ihren 19 Jahren hat sie bereits einiges auf dem jungen Pop-Buckel – oder wie sie in ihrem gar nicht altersweisen Opener „Getting Older“ trällert: Es lastet einiges auf ihren Schultern.

Richtig, was der Albumtitel verspricht, hält er nicht: Happy-Sound ist leider aus. Billie Eilish wäre nicht Billie Eilish, ginge es in dieser Musik nicht ganz viel um gehauchten Weltschmerz, gelangweilte Blicke und schlurfige Melodien. Darunter liegt dennoch viel ehrlicher Inhalt, etwa wenn sie von Machtmissbrauch („Your Power“), dem überhitzten System der (sozialen) Medien („Overheated“) singt oder einfach der einen Beziehung, die dringend beendet werden muss („Lost Cause“). Inhaltlich trifft sie den richtigen Ton, vor allem für die Generation Z, die ein Großwerden ohne #MeToo und ökologische Krise nicht kennt.

Abgeholt werden die Zoomer außerdem auf den richtigen Kanälen. Über Spotify etwa erzählt Billie Eilish ihr Album „Happier Than Ever“ gleich in drei Versionen. Jeder bekommt, was er will. Und sie eben drei Klicks statt einem.

Stilistisch weiß Billie Eilish ebenfalls, wie der Hase läuft. Am besten zeitgenössisch zeitlos: Vom smoothen „Billie Bossa Nova“ bis zum clubbigen „NDA“, mit ihrem Produzenten-Bruder Finneas spielt sie alle Stücke. Ein Highlight ist die Titelsingle mit dem ruhigen aber schonungslosen: „When I’m away from you, I’m happier than ever“, das kraftvoll in die endgültige Trennung mündet. Ein gesungenes „F*** You“ ohne weitere Layer. Olivia Rodrigo jedenfalls lässt grüßen. (bunt)


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