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„Wir Staatsanwälte sind keine blinden Ankläger!“

Nach 39 Jahren in der Justiz tritt Josef Rauch, Leiter der Staatsanwaltschaft Innsbruck, heute in den Ruhestand. Objektivität – nicht Moral – ist für ihn Credo eines Anklägers.

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Praktiker mit Gemeinschaftssinn: Josef Rauch agierte als Personalvertreter und bildete über Jahre Richteramtsanwärter aus.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Herr Dr. Rauch. Sie haben seit 1986 als Staatsanwalt agiert, zuletzt als Leiter der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Was hat sich seither im Berufsbild verändert?

Josef Rauch: Ab 2008 sind wir durch die Strafprozessreform massiv in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Durch die Abschaffung des Untersuchungsrichters sind wir seither ja Herr des Ermittlungsverfahrens und vernehmen nun auch Zeugen. In Tirol hat die Polizei die neue Rolle der Verfahrensleitung gleich akzeptiert – die Zusammenarbeit läuft bei uns hervorragend.

Steigt durch die öffentliche Präsenz auch der Druck auf Anklageerhebungen?

Rauch: Nein in keiner Weise. Man denke nur an das Instrument der Diversion, die oft über einen Tatausgleich oder Geldbuße die weitere Strafverfolgung beendet. Der Hauptteil läuft schon im Vorfeld bei der Staatsanwaltschaft ab und vermeidet somit Prozesse. Wir prüfen bei jedem Akt automatisch erst einmal, ob bei einem Beschuldigten eine Diversion in Frage kommt.


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