„Alles Gute“ in Innsbruck: „Müssen über öffentlichen Raum reden“

Wo hat die Jugend Platz? Nach Diskussionen um die Sillschlucht und das Kulturquartier soll „Alles Gute“ jetzt Akzente setzen.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Für sommerliche Vibes werden „Anger“ am 19. August bei „Alles Gute“ sorgen: Ihre Single „Elba“ ist frisch draußen.
© Plank

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –In der Pandemie wurde auf sie vergessen. Und jetzt, nach langen Lockdown-Monaten, steht die Jugend erneut in der Kritik. Wo hat die Jugend Platz? Im öffentlichen Raum, den sie sich zurückerobert hat, nicht wirklich. Lärm und Müll sind dort logische Nebenprodukte. Über den Umgang der Stadt mit letzterem machte sich vor Kurzem auch Treibhaus-Chef Nobert Pleifer online Luft. Und GemeindevertreterInnen sind derweil damit beschäftigt, Alternativen für Guerilla-Aktionen wie die berüchtigten Sillschlucht-Partys zu finden.

Zumindest langsam scheint Bewegung in die Debatte zu kommen, das findet auch Veranstalter und Kulturarbeiter David Prieth, der nicht nur in die Gespräche um die Öffnung neuer Plätze für Innsbrucks Jugend involviert ist, sondern auch dem „Alles Gute“-Festival als Koordinator vorsteht, das an vier Augustwochenenden ebenso Akzente in Richtung Jugend setzen soll. Organisiert wird die Konzertreihe von den Kulturvereinen p.m.k, Die Bäckerei, Bonanza und Arche*Ahoi. Laut Prieth übrigens kein ausschließliches „Funprogramm“, sondern auch Möglichkeit des Austausches. „Disco, Diskurs und Drama“ eben. Für ihn sei damit die richtige Zeit gekommen, sich endlich über den öffentlichen Raum und dessen veränderte Nutzungsbedingungen zu diskutieren. „Es ist das erste Mal, dass wir in der Stadt über Plätze sprechen, die für niederschwellige Veranstaltungen freigegeben werden sollen“, erzählt Prieth. Es gebe gerade in der Diskussion um die Sillschlucht-Alternativen konstruktive Gespräche, aber noch keine Lösung.

Inwieweit „Alles Gute“ dieses erste Vortasten weiterdenken will, wird sich noch weisen. Unter dem Stichwort „Diskurs“ ist etwa ein Siebdruckworkshop zum Thema Aktivismus mit FM4-Protestsonggewinnerin Gina Disobey angedacht. Eine Gesprächsrunde zum Umgang mit Plätzen in Innsbruck sucht man im Programm vergebens.

Wichtig wäre es, so bespielt „Alles Gute“ auf Vorschlag der Stadt neben dem Botanischen Garten (das Botanica wird dort schon seit mehreren Jahren veranstaltet) auch den Nebenplatz des Landestheaters, der sich in den letzten Wochen zum inoffiziellen Treffpunkt für junge NachtschwärmerInnen entwickelt hat. Oft auch zum Leidwesen des Landestheaters, es sollen bereits Scheiben zu Bruch gekommen sein. Dass sich professionelle Veranstalter wie beim „Alles Gute“ jetzt temporär um den Platz „kümmern“, liegt also wohl auch im Sinne der Politik. Knapp über 100.000 Euro investieren Stadt, Land und Bund in die Konzertreihe.

Geschaffen wird damit ein Zugang zum öffentlichen Raum, der für Prieth aber kostenlos bleiben muss. Alle Abende vor dem Landestheater werden also ohne Eintritt stattfinden, nicht aber ohne 3-G-Kontrolle. In den abgesperrten (Konzert-)Bereich kommen nur 900 Geimpfte, Getestete oder Genesene; für den Botanica-Auftakt werden 500 Tickets vergeben (Ticketpreis: 15 Euro).

Das Line-up wurde übrigens von allen Beteiligten gemeinsam bestellt; allabendlich mischen sich Bonanza-, p.m.k- und Bäckerei-Vorlieben. Neu ist Arche*Ahoi, ein Kollektiv, das demnächst die heimische Clubkultur erweitern wird. „Alles Gute“ startet derweil am 6. August.

Alles Gute 2021

Musikprogramm an vier Wochenenden, u. a. mit Fainschmitz, Baits, Jo Stöckholzer oder Little Element (alle beim Botanica, 6. & 7. August); Say Yes Dog, Von Seiten der Gemeinde oder Electro Guzzi (12.–14. August); Anger, Baiba, Ruede Hagelstein (19. & 20. August), Shanti Powa, Mother’s Cake oder Davy Doorn (26.–28. August).

Am Samstag, 21. August zieht „Alles Gute“ in den Waltherpark um, dort gibt es neben DJ-Sets auch eine Lesung von Journalist und Buchautor Fabian Sommavilla. Aktivistin Gina Disobey gestaltet im Stadtteilzentrum Reichenau außerdem einen Siebdruckworkshop.

Auch anlässlich des Botanica stehen Workshoptermine an, vollständiges Programm und Tickets unter: allesgutefestival.at


Kommentieren


Schlagworte