Vorsichtige Entwarnung: Murensituation in Tirol vor Entspannung

Starkregen führte am Wochenende nicht nur zu lokalen Überschwemmungen, sondern auch zu Muren. Straßen im Schmirntal und in Defereggen werden seither geräumt. Heute soll sich das Wetter beruhigen.

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Der Murgang des Poppelesbaches im Gemeindegebiet von St. Jakob i. Def. führte viel Holz mit sich.
© FF St. Jakob

St. Jakob i. Def. – Nach starken Regenfällen verlegte am Samstagabend gegen 21.45 Uhr ein Erdrutsch die L25 Defereggentalstraße bei Kilometer 26,25 zwischen Erlsbach und Ladstatt in der Gemeinde St. Jakob. Die Straße war in der Folge bis Sonntagmittag in beide Richtungen gesperrt. Weil es sich dabei um die Straße zum Grenzübergang Staller Sattel zu Italien handelt, hatte das Land Tirol umgehend auch die italienischen Behörden über die Sperre informiert.

Die Freiwillige Feuerwehr St. Jakob war mit 33 Mann und vier Einsatzfahrzeugen vor Ort. Für die Räumung der Straße standen außerdem zwei Bagger und ein Holztransporter im Einsatz. „Problematisch war die große Menge an Holz, die die Mure ins Tal befördert hatte“, erläuterte der St. Jakober Feuerwehr-Kommandant Martin Berger die Aufräumarbeiten. Das Durchlassrohr unter der Straße mit einem Durchmesser von drei Metern für den Poppelesbach war durch eine Verklausung verlegt und sei zum Teil auch unterspült worden.

Keine Personen zu Schaden gekommen

„Der Erdrutsch dürfte das Holz von einem weiter oben liegenden Lawinenkegel mit sich geführt haben“, mutmaßte Berger, der zerstörerische Murgang dürfte also auch eine Folge des vergangenen extremen Winters sein. Noch in der Nacht wurden Eingeschlossene aus dem Ortsteil Erlsbach von Mitgliedern der Feuerwehr evakuiert. Nach einer Begutachtung der Lage durch die Landesgeologie sowie die zuständige Straßenmeisterei am Sonntagmorgen konnte Entwarnung gegeben werden. „Dennoch muss die Straße einspurig geführt werden, bis die Schäden behoben sind“, sagte Berger.

Nach dem gestrigen Murenabgang auf die Valser Straße waren rund 50 Personen nicht erreichbar.
© zeitungsfoto.at

Nachdem die Regenfälle im übrigen Tirol zu lokalen Überschwemmungen oder Sturmböen (Spitzenreiter war die Messstation Galzig/St. Anton mit Orkanböen von bis zu 143 km/h) geführt hatten, war es in den gestrigen Morgenstunden aufgrund von Starkregen jedoch sowohl im Schmirntal als auch im Valser Tal zu Murenabgängen gekommen. Infolgedessen bleiben die L230 Valser Straße ab der Volksschule Vals sowie die L229 Schmirntalstraße ab Toldern im Gemeindegebiet von Schmirn jeweils in beide Richtungen bis auf Weiteres gesperrt. Die Aufräumungsarbeiten liefen seither auf Hochtouren. Beide Straßen konnten Sonntagabend zumindest einspurig wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Bei den Murenabgängen sind keine Personen zu Schaden gekommen. Rund 15 Häuser im Schmirntal sowie rund 50 Personen im Valser Tal waren bis gestern, 18 Uhr, nicht erreichbar. Die medizinische und die Lebensmittel-Versorgung vor Ort war sichergestellt.

Labile Wetterlage in den kommenden Tagen

Was das weitere Wettergeschehen und Bedrohungsszenario für die betroffenen Gebiete betrifft, konnte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gegenüber der TT gestern aber vorsichtige Entwarnung geben. So sei es heute nach einer trockenen Nacht schon grundsätzlich stabiler und mit nur bis zu 21 Grad Temperatur auch kühler. Es gebe eine insgesamt nur geringe Regenwahrscheinlichkeit.

Im Schmirn- und Valser Tal sollte es ebenso trockener werden, wenn auch einzelne Regenschauer – dann aber kräftige – möglich seien.

Im Osttiroler Defereggental gelte grundsätzlich dasselbe Wetterszenario. Dort sollte es laut ZAMG aber schon insgesamt sonniger sein, mit kurzfristigen Gewittern müsste aber auch hier noch gerechnet werden.

Tirol befindet sich laut ZAMG noch immer in einer typischen Süd/Westlage, eingebettet zwischen kalten und warmen Luftströmen, die bei uns zusammentreffen. Deshalb bleibt die Wetterlage wohl weiter eher labil.

Durch die kälteren Temperaturen ist laut den Meteorologen die Gefahr von übergehenden Bächen aber erst einmal gebannt. Durch die Kälte in alpinen Regionen wäre aller Niederschlag ab einer Höhe von 2600 Metern nämlich auf den Bergen in Form von Schnee gebunden.

Gut für die Erholung der Wasserstände und die Erholung der Böden. Diese seien in Teilen Tirols durch die dauerhaften Niederschlagsmengen nämlich mittlerweile regelrecht „versiegelt“ und nicht mehr fähig, Wassermengen in Form von größeren Tropfen aufzunehmen. (fell, bcp)


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