Medaillenhoffnung Jakob Schubert: „Für keinen eine g’mahte Wies’n“

Vor der Qualifikation am Dienstag (ab 10 Uhr) in der olympischen Kombinations-Premiere weiß Jakob Schubert, was alles passieren kann. Die Gedanken des 30-jährigen Tirolers sind freilich darauf fokussiert, was alles möglich ist – im positiven Sinne.

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Der dreifache Weltmeister Jakob Schubert legt am Dienstag Hand an in Tokio.
© KVÖ/Andreas Aufschnaiter

Von Max Ischia

Tokio – Von einer Sekunde auf die andere zappelte Jakob Schubert im Seil. Ausgerutscht in der ersten Wandhälfte. Einfach so. Just er, das Muster an Konstanz, die Verlässlichkeit in Person, der hoch gehandelte Top-Favorit. Das war am 7. September 2018 anlässlich der Vorstiegs-Qualifikation bei der Heim-Weltmeisterschaft in Innsbruck. Nur weil der Lokalmatador zuvor in der ersten Quali-Route der Weiteste gewesen war, stieg er ins Halbfinale auf. Zwei Tage später jubelte Schubert über WM-Gold.

Ich habe alles getan und die Chance, eine Medaille zu holen, maximiert. Man braucht aber auch Glück.
Jakob Schubert (Medaillenhoffnung)

Nur ein Beispiel dafür, wie schmal der Grat, wie seiden der Faden ist, auf dem die Besten wandeln. Das gilt auch am Dienstag, wenn Schubert ab 10 Uhr (MESZ) in die olympische Kombinationspremiere aus Speed, Bouldern und Vorstieg eingreift. „Es ist für keinen eine g’mahte Wies’n“, versichert Nationaltrainer Kilian Fischhuber, einst fünffacher Gewinner des Boulder-Weltcups (2005–2011). Und doch existiert die Möglichkeit des Scheiterns nicht wirklich im Schubert’schen Hinterstübchen. „Passieren kann immer etwas, aber damit beschäftige ich mich nicht.“ Vielmehr hat der dreifache Weltmeister (Vorstieg 2012, 2018, Kombination 2018) alles dafür getan, um seine Medaillenchance „zu maximieren“, wie er sagt. Dass er im Vorfeld der Spiele in den Medien als aussichtsreichster österreichischer Medaillenkandidat gehandelt wurde, hat er mitbekommen – und gewissermaßen achselzuckend zur Kenntnis genommen. „Ich habe in meiner Laufbahn schon vieles erreicht und weiß, dass im Optimalfall alles möglich ist. Es wäre komisch, wenn ich jetzt sagen würde, dabei sein, das ist alles für mich.“ Und weil sich Schubert schon immer seine persönliche Messlatte ganz nach oben gelegt hat, kann das Ziel nur Medaille heißen. Weil der 30-Jährige freilich im Speedbereich Defizite aufweist, blieb eine Gold-Ansage ganz bewusst aus.

Fühlen sich wohl im Olympischen Dorf: Jakob Schubert und Jessica Pilz mit Maskottchen Miraitowa.
© privat

Es wird heiß zugehen – im buchstäblichsten Sinne dieser Redewendung. Kaum ein Tag seit der Ankunft, an dem das Thermometer in den Nachmittagsstunden nicht über die 30-Grad-Celsius-Marke klettert, dazu eine Luftfeuchtigkeit, die mehr an einen Tropenwald als eine Weltmetropole erinnert. Um die feuchten Finger entsprechend rutschfest zu trimmen, wurden am Institut für Chemie in Innsbruck gut ein Dutzend Magnesium-Mischungen getestet. Eisbeutel und Kühlwesten sollen dabei helfen, kühlen Kopf zu bewahren. Und weil zwischen der Auftaktdisziplin Speed und dem abschließenden Vorstieg-Finale über fünf Stunden vergehen, wurde auch ernährungstechnisch nichts dem Zufall überlassen. Das Olympiazentrum Innsbruck hat Schubert und Damen-Hoffnung Jessica Pilz mit einem detaillierten Plan versorgt. „Elektrolyte, Recovery Shakes (Regenerations-Drinks), Müsliriegel – wir haben alles im Training und in Simulationswettkämpfen x-fach geprobt“, sagt Fischhuber.

Jetzt geht wieder alles. Ich kann voll angreifen, aber klar ist, dass die Vorbereitung alles andere als ideal war.
Jessica Pilz (Finalhoffnung)

Während Schubert am Dienstag also bestmöglich vorbereitet in die Qualifikation startet, steht hinter der Form der Damen-Hoffnung Jessica Pilz ein mittelgroßes Fragezeichen. Neun Wochen ist es her, als sich die Vorstieg-Weltmeisterin von 2018 beim Boulderweltcup in Salt Lake City einen Riss des Ringbandes im linken Ringfinger zuzog. Wochenlang durfte sie den – lange Zeit – geschienten Finger nicht belasten. „Jetzt geht wieder alles. Ich kann voll angreifen“, sagt die in Innsbruck lebende Niederösterreicherin, aus der freilich auch der Zweckoptimismus spricht. Denn klar ist: „Die Vorbereitung war alles andere als optimal.“ Aber vielleicht liegt gerade dahingehend eine Chance ...

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