Familie verlor fast alles: Buben flüchteten in Pians barfuß aus brennendem Haus

Nach einem Brand in Pians laufen die Ermittlungen. Eine Mutter rettete ihre Buben, eine andere Familie kämpfte sich mit Feuerlöschern ins Freie. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet.

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Das Feuer dürfte im Carport ausgebrochen sein, die Wohnung darüber wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Pians – „Sie war extrem geistesgegenwärtig, hat ihre beiden Kinder geschnappt und ist ins Freie“, schildert eine Nachbarin. Eine junge Frau rettete gestern ihren zwei Buben das Leben. Sie flüchtete mit dem siebenjährigen Elian und dem fünfjährigen Noah aus ihrer brennenden Wohnung. Die Kinder waren barfuß und mit nicht viel mehr am Körper, als sie beim Schlafen getragen hatten. Nachbarn versorgten die Familie mit Decken.

Es waren dramatische Minuten Montagfrüh gegen 5 Uhr in einer Reihenhaussiedlung in Pians. Das Feuer dürfte in einem Carport ausgebrochen sein, in dem zu diesem Zeitpunkt drei Fahrzeuge – ein Pkw, ein Mopedauto sowie ein Mofa – parkten. Die Flammen breiteten sich in Windeseile auf die Wohnung direkt über dem Brandherd aus. Dort schlug der Rauchmelder an, weckte die junge Frau und dürfte so das Leben der Familie gerettet haben. Die Mutter reagierte nämlich sofort, holte die Kinder aus ihren Betten, alarmierte die Feuerwehr und brachte sich mit den Buben in Sicherheit.

„95 Prozent der Habseligkeiten sind zerstört“

„Innerhalb von fünf Minuten brannten die gesamte Fassade und das Dach“, schildert der Pianner Feuerwehrkommandant Markus Leitner, der mit seinen Leuten als Erster am Einsatzort eintraf. Die freiwilligen Helfer evakuierten in der Folge mehr als 30 Personen aus den umliegenden Gebäuden. Mit 40 Feuerwehrleuten startete man den Löschangriff von der Hangseite, während die Feuerwehr Landeck, die mit mehreren Fahrzeugen angerückt war, mit der Leiter von der Bundesstraße aus gegen die Flammen vorging.

In nur wenigen Minuten stand die Fassade in Flammen. Die Bewohner wurden vom Rauchmelder alarmiert.
© privat

Eine vierköpfige Familie, die in der Wohnung direkt unter dem Carport lebte, konnte sich ebenfalls rechtzeitig in Sicherheit bringen. Auch sie wurde durch den Alarm wach. Die Mutter sah aus dem Fenster den Rauch. Die Familie musste sich mit einem Feuerlöscher den Weg ins Freie bahnen, schildert ein Bewohner. Als sie an der Garage vorbeikam, schlugen ihr bereits die Flammen entgegen. Zwei Familienmitglieder zogen sich bei der Flucht vor dem Feuer leichte Verbrennungen zu – es sei gefährlich gewesen, hieß es. Wie schwer ihre Wohnung betroffen war, konnte man gestern Vormittag noch nicht sagen.

Für die junge Frau und ihre beiden Buben aus der Wohnung über dem Carport wurde inzwischen ein Spendenkonto (Fam. Zangerl-Verburg Pians, IBAN: AT 424239003100262250) eingerichtet. „95 Prozent der Habseligkeiten sind zerstört“, sagt der Onkel der Kinder.

Ob das Haus wieder bewohnbar sein wird, war gestern unklar. Statiker wurden angefordert. Zwar dürfte das Feuer vorwiegend an der Außenhülle gewütet haben, aber auch der Schaden durch den Rauch und das Wasser sei groß, sagte Chefinspektor Georg Plattner von der Polizeiinspektion Landeck. Vor allem die Schäden an der oberen Wohnung seien schwer. Er spricht von einem riesigen Glück, dass niemand schlimmer verletzt wurde.

Die Brandursache stand auch am Dienstag noch nicht fest. Wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte, können die Brandermittler eine technische Ursache am Gebäude „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ ausschließen. Weitere Ermittlungen sind noch im Gange.

🔥 Ein jedes Feuer fängt klein an

In den eigenen vier Wänden lauern viele oft unterschätzte Brandquellen. Tritt der Ernstfall ein, kann bedachtes Handeln Schlimmes verhindern.

Dass Brände nur in der Nähe offener Flammen entstehen, ist ein Trugschluss, dem viele Menschen verfallen sind. Ob der Aschenbecher am Balkon, die Waschmaschine, das ans Ladegerät angesteckte Handy – überall dort, wo es heiß oder elektrischer Strom im Spiel ist, können sich Feuer entfachen. Und derlei Zündquellen gibt es im Haushalt zuhauf. Mit wenigen einfachen Verhaltensregeln kann der Ernstfall abgewendet werden. Tritt dieser doch einmal ein, hilft bedachtes Handeln, Schlimmes zu verhindern, sagt Rene Staudacher von der Tiroler Landesstelle für Brandverhütung.

„Unachtsamkeit und mangelnde Vorsicht“ seien Ursache für die meisten Feuer in den eigenen vier Wänden, meint er. Elektrogeräte wie der Fernseher oder das Radio sollten deshalb, wenn sie nicht gebraucht werden, vom Stromkreislauf abgeschlossen werden, Mehrfachsteckdosen nicht durch zu viele Geräte überlastet werden. Müssen Mobiltelefone oder Laptops geladen werden, sollten sie auf nicht brennbaren Unterlagen deponiert werden. Ebenfalls sollten stets Herstellerangaben und Zulässigkeitsprüfung der Geräte kontrolliert werden.

Beginnt es doch zu brennen, gilt: Jedes Feuer fängt klein an. „Bei entstehenden Bränden ist oft noch der erste eigene Löschversuch möglich“, erklärt Staudacher. Damit könne entweder die Flamme im Keim erstickt, die Ausbreitung verhindert oder zumindest so lange verzögert werden, bis Hilfe eingetroffen ist. „Dabei sollte sich aber niemand in eigene Gefahr begeben.“ In jedem Fall müsse der Notruf gewählt, Mitbewohner alarmiert, die Wohnung durch nicht verrauchte Zonen verlassen und Ruhe bewahrt werden.

Rauchmelder sind für den Brandschutzexperten wahre Lebensretter. Er empfiehlt, solche „in Aufenthalts-, Wohn- und Schlafräumen sowie in Hängen, die als Rettungswege dienen, zu installieren. „Ich empfehle allerdings eine vollflächige Überwachung sämtlicher Räumlichkeiten.“ Außerdem sei es ratsam, für jeden Haushalt einen Feuerlöscher anzuschaffen.

Besonders ernst zu nehmen sei laut Staudacher bei jedem Feuer der dabei entstehende Rauch. „Zirka 95 Prozent der Brandtoten sterben den Erstickungstod durch hochgiftige Gase – bereits drei Atemzüge können im Extremfall tödlich sein. Diese können sich in kurzer Zeit in der ganzen Wohnung ausbreiten. Gefährlich ist das vor allem nachts, weil bei schlafenden Menschen der Geruchssinn eingeschränkt ist.“ Auch hier seien Rauchmelder enorm wichtig. Da Qualm stets nach oben steige, „ist es außerdem geboten, sich im raucharmen Bodenbereich in Sicherheit zu bringen.“


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