Land Tirol will impfskeptische Bürgermeister überzeugen

In fünf Regionen mit 26 Gemeinden wird es ab 16. August ein wohnortnahes Impfangebot geben, um die Impfquote deutlich zu erhöhen.

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© Die Fotografen

Von Peter Nindler

Innsbruck – In 26 Tiroler Gemeinden soll ab 16. August der Impfturbo gezündet werden. Das haben Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) und Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf am Dienstag vereinbart. „Ich bin mit der Impfquote in Tirol noch nicht zufrieden“, sagte Platter denn auch ungeschminkt. Tirolweit haben bisher rund 59 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten, mehr als 51 Prozent sind vollimmunisiert.

Platter hält weiter am vorgegebenen Ziel von 70 Prozent Durchimpfung in Tirol fest – mehr wäre noch besser. „In 80 Gemeinden liegt sie aber noch unter 55 Prozent.“ Deshalb soll mit einem niederschwelligen Angebot in fünf Regionen, Ötztal, Hinteres Iseltal, Osttiroler Oberland mit Villgratental sowie Tiroler Gailtal, Untere Schranne und Kaiserwinkl sowie Oberes Gericht, die Impfquote deutlich erhöht werden; unter Zuhilfenahme von kommunaler Infrastruktur sowie Impfbussen.

📽️ Video | Impfen in den Gemeinden

Es hängt sehr viel an einer möglichst hohen Impfquote in unseren Gemeinden. Der Impfstoff ist vorhanden.
Ernst Schöpf (Gemeindeverbandspräsident)

Und wie will man die Bürgermeister davon überzeugen, manche wie der Spisser Ortschef – die TT berichtete – lehnen ja eine Impfung ab? Für den Landeshauptmann ist das der „völlig falsche Zugang und nicht nachvollziehbar“. Man wolle gemeinsam mit ihnen attraktive und kreative Angebote schnüren, damit die Bevölkerung in peripheren Regionen nicht die Impfzentren aufsuchen muss. Zugleich werde die Sensibilisierung fortgesetzt.

Trotz vieler Angebote und genügend Impfstoff gibt es für Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf noch viel Luft nach oben. „Je mehr Personen geimpft sind, desto weniger wahrscheinlich sind künftige Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die wir eigentlich alle nicht wollen.“ Gemeinsam mit dem Land Tirol werden auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in den jeweiligen Regionen eingebunden, um Impfteams stellen zu können, kündigt Schöpf an. Die Gemeindebürger werden mit Postwürfen über die Impftage informiert.

Impfangebot in fünf Regionen

Geringe Durchimpfung: In fünf Regionen, wo einzelne Gemeinden eine niedrige Impfrate aufweisen, startet das Impfangebot ab 16. August. Auch Impfbusse kommen zum Einsatz. Der Impfstoff kann frei ausgewählt werden, die Bevölkerung wird in den nächsten Tagen informiert.

Schwerpunkt in fünf Regionen. In folgenden fünf Regionen werden in der Woche von 16. August bis 21. August jeweils niederschwellige Impfangebote an einem Tag direkt vor Ort angeboten: Ötztal, Hinteres Iseltal, Osttiroler Oberland mit Villgratental sowie Tiroler Gailtal, Untere Schranne und Kaiserwinkl sowie Oberes Gericht.

Gemeinden mit weniger als 40 Prozent Durchimpfung laut Impfstatistik des Gesunheitsministeriums. Vor allem in Osttirol herrscht Aufholbedarf bei der Vollimmunisierung (zwei Impfungen) in Virgen, Prägraten, Innervillgraten, Kals oder Schlaiten. Im Oberland sind es Spiss und Tösens, im Unterland Niedern­dorferberg oder Rettenschöss oder Erl. Im Außerfern hinken Kaisers und Jungholz hinterher.

Zuletzt wurde vor allem in Osttiroler Gemeinden mit einer Impfquote von weniger als 40 Prozent ein erhöhtes Infektionsgeschehen festgestellt. Für Platter einmal mehr ein Argument, sich impfen zu lassen, um Risiken einer Ansteckung und eines schweren Krankheitsverlaufs nach einer Infektion zu reduzieren.

„Wir machen es der Bevölkerung in den ländlichen Gemeinden nun noch einfacher, sich direkt vor Ort impfen zu lassen“, betont Gesundheits-LR Annette Leja. Man möchte nichts unversucht lassen, um so viele impfbereite Menschen wie möglich zu erreichen. „Vor allem auch die Jungen, wo es bei der Impfquote noch deutlich Aufholbedarf gibt.“

Die Menschen müssen nicht mehr zu den Impfzentren fahren, der Impfstoff kommt direkt zu ihnen.
Günther Platter/VP (Landeshauptmann)

In den vergangenen Tagen hat sich das Infektionsgeschehen in Tirol bei rund 45 Neuansteckungen pro Tag eingependelt. Während sie im Außerfern rückläufig sind, verzeichnet Osttirol nach wie vor eine dynamische Situation. Verzögerungen bei der Testauswertung gebe es keine, heißt es vom Land, vielmehr würde die Kontaktnachverfolgung nach positiven Testergebnissen nicht immer ganz einfach sein.

Schwierige Nachverfolgung

Dabei sei es ganz wichtig, die Kontaktpersonen frühzeitig zu verständigen, wie der Leiter des Einsatzstabes des Landes, Elmar Rizzoli, betont. „Vermehrt wurde man in Osttirol mit Fällen konfrontiert, wo sich nach positiven PCR-Tests im Zusammenhang mit dem besuch der Nachtgastronomie herausgestellt hat, dass die Betroffenen eigentlich schon Kontaktpersonen von positiv Getesteten gewesen sind.“ Doch beim Contact-Tracing seien sie nicht angegeben worden.

Erneut leicht gestiegen ist die Zahl der Corona-Erkrankten in den Tiroler Spitälern. 18 Patienten müssen derzeit stationär behandelt werden, weiterhin drei auf den Intensivstationen. Österreichweit werden derzeit 130 Patienten stationär betreut, 33 Menschen benötigten intensivmedizinische Versorgung.


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