Robin Wrights Regiedebüt „Land“: Trauer in der Wildnis

„House of Cards“-Star Robin Wright erzählt in ihrem Regiedebüt „Land – Abseits des Lebens“ von einer Frau, die sich in die Berge flüchtet.

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Edee (Robin Wright) flüchtet sich in „Land – Abseits des Lebens“ nach einer traumatischen Erfahrung in die Abgeschiedenheit Kanadas.
© Universal

Innsbruck – Trauer wird im Kino selten ausführlich erzählt. Oft erledigt ein Schnitt und ein „5 Jahre später“ die lange, schmerzvolle Arbeit. „Land – Abseits des Lebens“ erzählt von dieser schwierigen Phase. Edee hat ihren Mann und ihren kleinen Sohn verloren, so viel ist bald klar. Was genau passiert ist, erfahren wir erst gegen Ende des Films. Davor tauchen sie nur in Flashbacks auf. Am Beginn des Films ist Edee gerade dabei, mit ihrem bisherigen Leben abzuschließen. Eine abgelegene Hütte in den Bergen soll ihr als Rückzugsort vor den schmerzvollen Erinnerungen dienen – zurück zur Natur und „Into the Wild“ quasi. Doch auch das Leben und Überleben in der Wildnis machen der Städterin zu schaffen.

Wunderschön gefilmt im kanadischen Alberta (Kamera: Bobby Bukowski), steht die Natur im krassen Widerspruch zum stillen Leiden der Hauptfigur. Zunächst ist der Film über weite Strecken fast dialogfrei, fast wie die Filmallegorie „All Is Lost“, deren Titel auch hier passend wäre. Doch dann betritt nach etwa einer halben Stunde mit dem Jäger Miguel eine neue Figur die Naturszenerie. Hier schlägt die Geschichte von Jesse Chatham und Erin Dignam eine gar nicht klischeehafte Richtung ein. Miguel wird weder zum Liebhaber noch zum direkten Ausweg aus der Trauer. Dennoch liefert er Edee einen Anstoß.

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„Land“ ist der stille, erwachsene Regiedebütfilm von Robin Wright, die zugleich auch die Hauptrolle übernimmt. Sie hatte zuvor schon bei zehn Folgen der Serie „House of Cards“ und einem Kurzfilm Regie geführt. Manchmal knapp am Kitsch vorbei, dann wieder erstaunlich zurückhaltend inszeniert und spielt sie eine Figur, die in der klassisch-wilden Naturumgebung auf sich selbst zurückgeworfen ist.

In gewisser Weise fühlt sich „Land“ wie ein kleiner kompakter Vorfilm für Chloé Zhaos großartigen „Nomadland“ an. Hier wie dort steht eine Frau mittleren Alters plötzlich alleine da, lässt ihr altes Leben hinter sich und versucht sich vielleicht wieder woanders zu finden. Während Frances McDormands Figur ihren Frieden auch in den Begegnungen mit Außenseitern findet, ist Edee keine Nomadin: „Ich renne vor niemandem davon. Ich bin an diesem Ort, weil ich nicht unter Menschen sein will.“

Ob die Natur wirklich die Wunden heilt, die die Gesellschaft geschlagen hat, bleibt dabei offen.

🎬 Land – Abseits des Lebens. Ab 12 Jahren. Derzeit im Kino.


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