Hospitalisierte sind deutlich häufiger von Long-Covid betroffen

Laut bisherigen Studien sind Long-Covid-Symptome äußerst vielfältig und die Bandbreite groß. Die genauen Ursachen und Risikofaktoren für SARS-CoV-2-Langzeitfolgen sind noch unbekannt.

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Patienten mit schweren Verläufen, die künstlich beatmet werden mussten, haben laut der Metaanalyse ein erhöhtes Risiko Long-Covid-Symptome zu entwickeln. (Symbolbild)
© APA/dpa/Sebastian Gollnow

Wien – Bei 39 bis 72 Prozent von stationär aufgenommen Covid-19-Patienten treten ein bis drei Monaten nach der SARS-CoV-2-Infektion Long-Covid-Symptome auf. Unter den ambulant behandelten Erkrankten sind es mit fünf bis 36 Prozent deutlich weniger. Das ergab die Auswertung von 28 Studien durch das Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) zusammen mit dem Belgian Health Care Knowledge Center (KCE). Die Bandbreite der Long-Covid-Symptome ist demnach groß.

„Schwere Covid-19-Verläufe gehen den Studien zufolge häufiger mit Long-Covid einher", berichtete Studienleiterin Sarah Wolf am Freitag in einer Aussendung des AIHTA. Selbst nach über sechs Monaten berichteten noch bis zu 60 Prozent der ehemals hospitalisierten Patienten über Müdigkeit, Erschöpfung, kognitive Beeinträchtigungen und/oder Atemwegsprobleme; in der Gruppe der ambulant behandelten SARS-CoV-2-Fälle traf diese Symptomatik auf 13 bis 25 Prozent zu.

Von Müdigkeit und Erschöpfung bis Kopfschmerzen

Zu den häufigsten Symptomen unter Long-Covid-Patienten zählten bis zu drei Monate nach dem Beginn der akuten SARS-CoV-2-Infektion Müdigkeit/Erschöpfung mit 16 bis 98 Prozent, gefolgt von Kurzatmigkeit (zehn bis 93 Prozent) und Kopfschmerzen mit neun bis 91 Prozent. Von Brustschmerzen waren zwischen zehn und 86 Prozent betroffen, kognitive Schwierigkeiten hatten je nach Studie zwischen vier und 89 Prozent der Probanden. Nach drei bis sechs Monaten zählten Müdigkeit/Erschöpfung (16 bis 78 Prozent) und kognitive Beeinträchtigungen (13 bis 55 Prozent) zu den häufigsten Long-Covid-Symptomen.

Zwölf der Studien untersuchten auch mögliche Risikofaktoren. Die Ergebnisse von sechs Arbeiten deuten darauf hin, dass das „weibliche Geschlecht" die Entstehung von Long-Covid möglicherweise begünstigt, berichtete das AIHTA. „Der Unterschied der Erkrankungshäufigkeit zwischen Männern und Frauen könnte aber auch andere Gründe als das biologische Geschlecht und die damit im Zusammenhang stehende Immunantwort haben. So ist etwa bekannt, dass es geschlechterspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten gibt, wonach Frauen in Umfragen beispielsweise häufiger einen schlechteren Gesundheitszustand angeben als Männer", betonte Wolf.

Mehrere Ursachen miteinander verwoben

„Die genauen Ursachen und Risikofaktoren, welche zur Entwicklung von Long-Covid-Symptomen führen, sind derzeit nicht bekannt. Aufgrund der großen Vielfalt unterschiedlichster Symptome, ist anzunehmen, dass mehrere Ursachen miteinander verwoben sind", heißt es in dem Bericht von KCE und AIHTA. Auch ein höheres Alter der Patienten erhöhe nicht per se die Wahrscheinlichkeit an Long-Covid zu erkranken.

Patienten mit schweren Verläufen, die künstlich beatmet werden mussten, haben laut der Metaanalyse ein erhöhtes Risiko Long-Covid-Symptome zu entwickeln. Dabei könnten mögliche Organschäden durch die intensivmedizinische Behandlung die Ursache sein. Die Autoren betonen deshalb, dass es für zukünftige Studien eine genauere Charakterisierung und Klassifizierung von Long-Covid-Symptomen und deren Ursachen benötigt, um Behandlungsstrategien für unterschiedliche Long-Covid-Patientengruppen effizient zu gestalten. (APA)


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