IPCC-Bericht: Mittelmeerraum als "Hotspot des Klimawandels"

Laut einem Bericht des Weltklimarates IPCC könnte der Mittelmeerraum infolge des Klimawandels in Zukunft noch weitaus schlimmere Hitzewellen, Dürren und Brände erleben, wie es derzeit bereits der Fall ist.

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(Symbolfoto)
© Reuters

Paris – Griechenland und die Türkei leiden derzeit unter beispiellosen Waldbränden, die Thermometer sind auf nahezu rekordverdächtige Werte geklettert. Laut dem Entwurf eines Berichts des Weltklimarates IPCC, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, könnte der Mittelmeerraum infolge des Klimawandels in Zukunft noch weitaus schlimmere Hitzewellen, Dürren und Brände erleben.

Die Region mit ihren rund 500 Millionen Einwohnern gelte als "Hotspot des Klimawandels", heißt es in einem Kapitel über die Region der IPCC-Arbeitsgruppe II, die die Folgen der Erderwärmung beleuchtet.

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) wertet für Entscheidungsträger in aller Welt wissenschaftliche Studien zum Klimawandel aus und formuliert Schlussfolgerungen als Handlungsorientierung für seine rund 195 Mitgliedstaaten. Die Endfassung des Berichts soll im Februar kommenden Jahres veröffentlicht werden. Der erste Teil des Sachstandberichts wird am Montag in Genf vorgestellt.

Temperaturen steigen im Mittelmeerraum schneller

"Zu den Gründen für die Besorgnis zählen Risiken durch den Anstieg des Meeresspiegels, den Verlust der Artenvielfalt an Land und im Meer, Risiken durch Dürren, Waldbrände, Veränderungen im Wasserkreislauf, die bedrohte Nahrungsmittelproduktion, die Gesundheitsrisiken in städtischen und ländlichen Gebieten durch Hitzewellen und veränderte Krankheitsüberträger" und krankheitsübertragende Mücken, heißt es in dem Entwurf.

Die Temperaturen im Mittelmeerraum würden in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich schneller ansteigen als im weltweiten Durchschnitt, warnt der IPCC. Dies werde wichtige Bereiche wie die Landwirtschaft, Fischerei und den Tourismus unter Druck setzen. Dutzende Millionen Menschen würden zudem von zunehmendem Wassermangel, Küstenüberschwemmungen und potenziell tödlicher Hitze betroffen sein.

Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen wächst

In einigen Regionen des Mittelmeerraums könnten die landwirtschaftlichen Erträge aus dem Regenfeldbau demnach um 64 Prozent zurückgehen. Die Fläche abgebrannter Wälder werde bei einer Erderwärmung von zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um 87 Prozent zunehmen, bei einem Anstieg um drei Grad sogar um 187 Prozent. Derzeit hat sich die Erde bereits um 1,1 Grad erwärmt.

Nur eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad, könne "wahrscheinlich Küstensiedlungen, Kulturerbestätten, Land- und Meeresökosysteme in den meisten Gebieten des Mittelmeerraums in einem lebensfähigen Zustand erhalten", hieß es in dem Entwurf.

Infolge dieser Entwicklung wächst auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden. Dabei seien Hitzewellen die größte Bedrohung für den Mittelmeerraum, da sie "bei weitem die tödlichsten Extremereignisse in Europa" darstellten, sagte Friederike Otto von der Universität Oxford.

"Bereiche, in denen wir nicht überleben können"

Laut dem IPCC-Entwurf könnten bis zum Jahr 2050 bis zu 93 Millionen Menschen zusätzlich an den nördlich gelegenen Küsten des Mittelmeers von Hitzewellen betroffen sein. Im Nahen Osten und in Nordafrika könnte sich das Risiko älterer Menschen, an den Folgen extremer Hitze zu sterben, bis zum Jahr 2100 um das Drei- bis Dreißigfache erhöhen. Die Zahl hitzebedingter Todesfälle im nördlichen Mittelmeerraum könnte bis 2050 auf 20.000 pro Jahr steigen.

Das Risiko von Bränden und Überschwemmungen könnten Regierungen mit praktischen Schritten reduzieren, erklärte Ilan Kelman vom University College London. "Bei Hitze ist es anders. Der Klimawandel bringt uns in Bereiche, in denen wir nicht überleben können." Die einzige Möglichkeit zu überleben sei "Klimatisierung rund um die Uhr", fügte Kelman hinzu. "Und das können sich die Menschen nicht leisten. Es wird zu Stromausfällen kommen." (APA/AFP)


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