Sozialmarkt in Kufstein füllt seit zehn Jahren Versorgungslücke

650 regelmäßige Kundinnen und Kunden sind auf den Laden in der Kufsteiner Innenstadt angewiesen. Vor allem Frauen brauchen Hilfe.

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Obmann Robert Wehr mit Christine Standl, Dagmar Stradner, Barbara Mayr und Franziska Lanner (v. l.) im Sozialladen.
© Sozialmarkt

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Es war vor zehn Jahren, als in Kufstein eine neue Initiative startete: Der Sozialmarkt öffnete seine Türen. „Als das erste Mal die Kasse geklingelt hat, war das ein Geräusch, das bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat“, erinnert sich Robert Wehr, Obmann des Trägervereins Sozialmarkt.

Alleine in der Stadt Kufstein, so schätzte im Jahre 2010 Wehr, gibt es ca. 400 Personen, die Hilfe brauchen. Das war mit ein Grund, warum in der Bezirkshauptstadt ein Sozialmarkt aus der Taufe gehoben wurde. Begonnen hat es mit einem Laden am Oberen Stadtplatz. „Es war eine bewegende Zeit“, erinnert sich der Obmann. Von Anfang an sei der Bedarf sehr groß gewesen, aber auch die Bereitschaft der Ehrenamtlichen, mitzuhelfen und eigene Ideen einzubringen.

„Seit damals hat sich der Markt in den Köpfen der Kufsteiner seinen Platz erobert und eine große Akzeptanz bekommen. Selbst die Leute, die ihn nicht benötigen, haben sich informiert, wie das läuft, auch, ob man helfen kann. Das Echo war von Anfang an sehr groß“, erzählt Wehr. Auch bei den Lebensmittelgeschäften oder Bäckereien, die die notwendigen Waren spenden. „Ohne sie wäre der Markt überhaupt nicht möglich“, bedankt sich Wehr. Im Laden werden dann die gespendeten Produkte weit unter dem normalen Verkaufspreis weiterveräußert.

Bereits nach wenigen Wochen vor zehn Jahren gab es rund 70 ständige Kunden. „Mittlerweile sind es sogar 650 Einkaufsberechtigte, die regelmäßig den Markt aufsuchen“, bilanziert Wehr. Diese Zahl habe sich auch durch Pandemie und Kurzarbeit nicht erhöht, wie befürchtet worden war. Bemerkt habe er aber, dass die von sozialen Einrichtungen ausgegebenen Gutscheine mehr geworden seien.

Für den Einkauf im Sozialmarkt benötigt man eine zeitlich limitierte Berechtigungskarte, die vor Ort ausgegeben wird. Die nachzuweisenden finanziellen Einkommensgrenzen ändern sich ständig. Der Verein steht aber für Auskünfte zur Verfügung. Da die Lebenssituation und das zur Verfügung stehende Geld der Menschen mengenmäßig schwankt, wirkt sich das auch auf die Zahl der Kunden aus. „Es gibt Menschen, die kommen nur kurz, da sie der Gefangenschaft der Arbeitslosigkeit wieder entkommen“, sagt Wehr.

Bei den Kunden und Kundinnen stellen „Alleinerziehende und ältere Frauen die Mehrheit“, ist von Wehr zu erfahren. Keine Rolle spielen Asylwerber. „Deren Zahl kann man an beiden Händen abzählen“, erklärt der Obmann. Der Markt sei zudem nicht nur Einkaufsmöglichkeit, sondern wurde zu einem Kommunikationsort. Zudem werden Wiedereinsteigerinnen beschäftigt, die dann oft in die Privatwirtschaft wechseln.

Wehr hofft, eines Tages einen neuen Standort zu erhalten. In einem neuen Gebäude einer Wohnbaugesellschaft, am Areal des alten Kulturhauses. Und man benötigt noch Helfer, besonders Chauffeure für die Warenlieferung.


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