Frost verursacht große Verluste bei Marillenernte in Prutz

Die Marillenernte in Prutz ist in vollem Gange – der Frost im Frühjahr verursachte allerdings große Ausfälle. Die Stanzer Zwetschke hatte Glück.

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Derzeit werden in Prutz die Marillen geerntet – Ausfälle gibt es wegen des Frosts im Frühjahr.
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Prutz, Stanz – „Für uns ist es die dritte Marillenernte in Folge, die durch einen Wintereinbruch im Frühjahr verloren geht.“ Gerhard Maaß kann heuer nur wenige Früchte ernten. Auf den Plantagen des Prutzer Marillenbauers stehen rund 12.000 Bäume – der Frost im Frühjahr war für ihn fatal. „Wir haben vielleicht 15 Prozent der normalen Ernte“, so Maaß. „Nach minus 7, 8 und 9 Grad in diesen Nächten wundere ich mich, dass überhaupt noch etwas dran ist“, erklärt er.

Derzeit ist die Marillenernte in Prutz in vollem Gange – im Lager werden die reifen Früchte sortiert und in Kisten verpackt. „Knapp die Hälfte hängt noch am Baum“, so Maaß. Aufgrund des schlechten Wetters ist die Ernte heuer später dran als normal. Was am Baum hängt – zwischen zehn und 15 Tonnen –, gehe für den Privatkunden weg, den Handel könne er nicht bedienen.

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Nach den Kälteeinbrüchen im heurigen Frühjahr war die Hoffnung noch groß, dass sich der Schaden in Grenzen hält. „Wenn die Marille die Blütenblätter verliert, ist sie am empfindlichsten“, erklärt der Bauer und Edelbrenner, der den Schaden auf eine spezielle Frostnacht zurückführen kann – in genau diesem Stadium hat es sie dieses Jahr erwischt –, „da gibt es fast keine Rettung.“

„Die Marille ist heuer in ganz Tirol ein Problem“, betont Klemens Böck von der Landwirtschaftskammer. Auch bei den Kirschen gibt es Einbußen – wenn auch regional stark unterschiedlich. Kein größeres Problem dürfte hingegen das Kernobst bereiten. „Die Apfelernte ist tirolweit ganz gut“ – zum Beispiel in Haiming. „Dort, wo wir beregnet haben, gibt es keinen Schaden“, bestätigt der Haiminger Apfelbauer Rudolf Wammes. Er rechnet mit einer „normalen Ernte“.

Aber auch beim Apfel gibt es bei einzelnen Betrieben massive Ausfälle. Einer davon ist ein Nachbar von Maaß, Obstbauer und Bürgermeister Heinz Kofler. „Wir haben letztes Jahr 40 Tonnen Äpfel geerntet. Heuer kommen wir auf fünf Tonnen. Viel mehr wird es nicht“, erklärt er. Kofler hat allein im heurigen Frühjahr 16 Frostnächte gezählt – 14-mal hat er beregnet, um die Blüten mit einer Eisschicht vor Schäden zu schützen. „Es hat nichts genützt.“

Ganz erklären kann er sich den großen Ausfall allerdings nicht – man habe schon schwerere Kälteperioden besser gemeistert „Die Gala haben es relativ gut überstanden, alle anderen Sorten sind zu 90 Prozent abgefroren.“ Oft mache ein halbes Grad den großen Unterschied aus.

Laut Böck war heuer nicht nur der Frost ein Problem – sondern auch die Schlechtwetterphase danach. „Die Pflanzenhormone sind lichtabhängig“, betont er. Pflanzen reagieren dabei oft mit Fruchtausfall. Dass die Frostschäden beim Obst in den letzten Jahren zugenommen hätten, bestätigt auch er. „Es ist eine gewisse Regelmäßigkeit. Die Bäume starten immer früher mit der Blüte, damit steigt auch das Frostrisiko im Vergleich zu vor 20 Jahren.“

Die Stanzer Zwetschke hat es gut überstanden.
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Glück hatte die Zwetschke. „Wir erwarten eine mittelmäßige Ernte“, sagt Stefan Nothdurfter, Koordinator der Genussregion Stanzer Zwetschke. „Bei uns blüht es 14 Tage später als bei der Marille. Da war die Witterung schon besser.“ Noch sind die Zwetschken nicht reif. Die Ernte wird Ende August starten – man erwarte rund 200 Tonnen in der Region. „300 Tonnen haben wir in einem guten Jahr.“

Vier bis fünf kritische Frostnächte hat Nothdurfter in Stanz gezählt. „In den letzten zehn Jahren hatten wir zweimal Totalausfälle, dreimal sehr große Verluste. Das nimmt zu“, betont er. Aufgrund der warmen Phasen im Spätwinter würden die Bäume immer früher blühen. „Es ist jedes Jahr wieder eine Zitterpartie“, so Nothdurfter.

Für den Prutzer Marillenbauern Gerhard Maaß stellt sich die Frage, ob er aufhören soll, nicht. „Die Marille hat alle zehn Jahre eine Vollernte – damit musst du eben rechnen“, betont er. Sie sei eben sehr empfindlich, gleichzeitig aber auch sehr gefragt. „Das sagt dir jeder Obstbauberater: Bevor du Marille anbaust, gehst du lieber ins Casino.“


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