Vielgängiges Festessen für Ohrenfeinspitze im Schloss Ambras

„A Musicall Banquet“, ausgerichtet im Rahmen der Festwochen der Alten Musik im Spanischen Saal von Schloss Ambras.

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Tischten einen wahren Ohrenschmaus auf: Musiker Johannes Ötzbrugger (l.) und Countertenor Valer Sabadus.
© Felix Pirker

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Hätte es die 1610 in London von John Dowlands Sohn Robert herausgegebene Sammlung „köstlicher Lautenlieder“ mit dem Namen „A Musicall Banquet“ bereits zu Lebzeiten Erzherzog Ferdinands II. gegeben, wären diese wohl die ideale Tafelmusik für seine im Spanischen Saal ausgerichteten opulenten Festessen gewesen.

Beim samstägigen Konzert stand dagegen allein die Musik u. a. von John Dowland, Giovanni Girolamo Kapsberger, Robert de Visée oder Henry Purcell im Mittelpunkt. Ein delikater Querschnitt durch den europäischen Sologesang um 1600, dessen Interpretation durch den jungen Countertenor Valer Sabadus und Johannes Ötzbrugger an der Laute bzw. Theorbe dem begeisterten Publikum wahre Ohrenschmäuse bescherte. Wobei die Pfaue als die eigentlichen Ambraser „Hausherrn“ zum Amüsement von Musikern wie Publikum bisweilen lauthals „mitsangen“.

Ausgiebig geschmachtet wird in den kleinen Kunstwerken, die an diesem Abend zu hören waren, sämtliche Emotionen zwischen Liebesfreude, Liebesleid, Weltschmerz und ekstatischer Euphorie werden ausgelebt, countertenoral transformiert in fast überirdisch wirkende Klänge.

Wobei Valer Sabadus jedes vordergründige Pathos vermeidet bzw. erfrischend ironisch überzeichnet. Wenn etwa John Dowland in einem kurzen Lied seine Lady inniglich anfleht, ihn zu küssen, um „zufrieden ruhen und erfreut sterben“ zu können.

Als kongenialer Partner auf Augenhöhe erwies sich Johannes Ötzbrugger, auch wenn er mit der hohen Luftfeuchtigkeit im Spanischen Saal sichtlich zu kämpfen hatte. Um in Solostücken trotzdem seiner Laute bzw. Theorbe feinste Zwischentöne und raffinierte Rhythmen zu entlocken.

Die „Speisenfolge“, die Sabadus und Ötzbrugger bei ihrem musikalischen Festessen auftischten, war ein Mix aus raren Delikatessen und so manchem, das jeder mag. Etwa Dowlands Ohrwurm „In darkness let me dwell“ oder dessen „Come again“ als Draufgabe bzw. Versprechen, wiederzukommen. Tosender Applaus.


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