Gewalt gegen Helfer steigt: Kampagne für mehr „Reschpekt“

Tirols Einsatzorganisationen werben für ein gutes Miteinander. Die Gewalt gegen Helfer ist gestiegen.

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Oft sei Passanten wichtiger, ein Foto zu machen, als die Helfer ihren Job machen zu lassen.
© Imago

Innsbruck – „Bevor es bei uns so weit kommt wie in Deutschland, wollten wir etwas tun“, meint der Geschäftsführer des Roten Kreuzes, Wilfried Unterlechner. In Deutschland würde bereits häufig Gewalt gegen Helfer eingesetzt. Von Passanten, Beteiligten, Menschen, denen der Rettungsdienst eigentlich helfen will.

Mit „etwas tun“ meint Unterlechner die Initiative „Hand aufs Herz“. Es ist ein Schulterschluss zwischen allen Tiroler Blaulicht- und Einsatzorganisationen. Das gemeinsame Ziel ist ein hochgestecktes. „Wir wollen für mehr Respekt im öffentlichen Raum sorgen“, sagt Daniela Hekel, eine der MitinitiatorInnen von „Hand aufs Herz“. Es gehe außerdem darum, das Gemeinschaftsgefühl der Bevölkerung zu stärken, Menschen, die anderen helfen, zu helfen, damit sie wieder mehr Wertschätzung erfahren. Dass man etwas tun muss, ist Hekel bereits seit ein paar Jahren bewusst. Feuerwehrleute, Pfleger an Tirols Spitälern, Polizisten, ihnen allen schlage körperliche und verbale Gewalt entgegen. Hekel hat neben dem Roten Kreuz das Land, die Arbeiterkammer, die Stadt Innsbruck, die Tigas, die Beamtenversicherung und Personal Shop zusammengetrommelt, um eine breite Kampagne zu starten. Den Anfang machte, wie berichtet, im Juni eine Video-Kampagne. Unter dem Hashtag #Reschpekt erzählen vom Seelsorger bis zur Sportlerin Menschen, was sie unter Respekt verstehen. „Im Herbst wollen wir auch an die Schulen gehen, um dort die Jungen für die Sache zu sensibilisieren“, sagt Hekel. Neben den Videos sind Stickeraktionen geplant.

Wilfried Unterlechner ist mehr denn je überzeugt, dass es eine breite Bewusstseinsbildung braucht. „Am Beginn der Pandemie wurde zwar viel geklatscht. Aber jetzt ist die Stimmung gerade gegenüber jenen, die Corona-Maßnahmen durchsetzen sollen, aggressiv geworden.“ Die Palette reiche von Anpöbelungen bis zu Schäden an den Einsatzfahrzeugen.

Nach Raufereien oder Unfällen sei es inzwischen sehr verbreitet, dass fotografiert werde. „Da werden unsere Helfer abgedrängt, damit das Foto gemacht werden kann.“ Zuseher, so genannte Gaffer, verstellen den Einsatzkräften den Weg. „Beim Roten Kreuz ist der Frauenanteil gestiegen. Da wollen wir mit der Kampagne vorbeugen.“

Die Rettung ist seit eineinhalb Jahren in der Pandemie im Großeinsatz. Das Rote Kreuz macht die Mehrzahl der Covid-Tests, die Pandemie fordert ihren Tribut. Und auch sonst ist die Anzahl der Einsätze gestiegen. „Es gibt keinen Selbstbehalt mehr“, sagt Unterlechner und bezieht sich damit auf Rettungsfahrten. Viele würden statt mit dem Auto oder mit dem Taxi mit dem Roten Kreuz zur Untersuchung fahren. „Wenn es zu Wartezeiten kommt, fehlt das Verständnis und viele werden sofort sehr ungehalten.“ Umso mehr brauche es „Reschpekt“. Infos und Mitmachen unter handaufsherz.tirol (aheu)


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