Trotz dramatischer Warnungen: China will an seinem Klima-Kurs festhalten

Obwohl die Erderwärmung mit drastischen Folgen laut IPCC-Bericht deutlich schneller vonstatten geht, will der größte Umweltverschmutzer China nicht von seinem Kurs abrücken. Inselstaaten richten indes einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, den Klimawandel zu bekämpfen.

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Über der chinesischen Hauptstadt Peking hängt häufig eine dichte Smog-Glocke.
© NICOLAS ASFOURI

Genf, Peking – China will nach dem Bericht des Weltklimarats (IPCC) an seinem bisherigen Klimakurs festhalten. „Die internationale Gemeinschaft muss volles Vertrauen in die Umsetzung der chinesischen Klimaschutzmaßnahmen haben“, teilte das Außenministeriumam Dienstag mit. Neue Klimaschutzziele kündigte die Regierung nicht an. Ein Bündnis kleiner Inselstaaten richtete inzwischen einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft, den Klimawandel zu bekämpfen.

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China ist weltweit der größte Umweltverschmutzer. Die Regierung hat angekündigt, noch vor dem Jahr 2030 die CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis 2060 soll das Land CO2-neutral sein. Allerdings hat man zuletzt die Eröffnung Dutzender neuer Kohlekraftwerke vorangetrieben, um das Wirtschaftswachstum zu sichern. Erst ab 2026 soll der Kohleverbrauch schrittweise reduziert werden.

Auch Australien wies Forderungen zurück

Australien hat erneut Forderungen nach ehrgeizigeren CO2-Emissionszielen zurückgewiesen. Man leiste bereits seinen Beitrag gegen den Klimawandel, sagte Premierminister Scott Morrison am Dienstag. Eine Festlegung auf Treibhausneutralität bis 2050 lehnt seine Regierung weiter ab. „Ich werde im Namen von Australiern keinen Blankoscheck für Ziele ohne Pläne unterschreiben.“

Australien hat angekündigt, dass es „sobald wie möglich“ treibhausgasneutral werden will – Verpflichtungen will Morrison aber nicht eingehen. Das Land hat eine der höchsten CO2-Emissionsraten pro Kopf und ist einer der größten Kohleexporteure der Welt.

Inselstaaten mit dringendem Appell an Weltgemeinschaft

Dutzende Inselstaaten, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, riefen die internationale Gemeinschaft auf, „unsere Zukunft“ zu retten. „Wir müssen das Ruder herumreißen“, erklärte Diann Black-Layne, Klimaverhandlungsführerin des Bündnisses der kleinen Inselstaaten (Aosis) und Botschafterin von Antigua und Barbuda, am Montagabend.

Steigende Meeresspiegel bedrohen die Inselstaaten unmittelbar in ihrer Existenz. Selbst bei einer Erderwärmung um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter stiegen die Meeresspiegel um einen halben Meter an, erklärte Black-Layne. „Wenn wir jedoch die Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzen, können wir langfristig einen Anstieg des Meeresspiegels um drei Meter verhindern.“ Dem Bündnis gehören 39 Staaten an, darunter Kuba, Jamaika, Papua-Neuguinea und die Malediven, das am tiefsten gelegene Land der Welt.

Erderwärmung laut IPCC-Bericht schneller als angenommen

Laut dem am Montag veröffentlichten IPCC-Bericht erwärmt sich die Erde noch schneller als bisher angenommen und wird bereits gegen 2030 1,5 Grad wärmer als im vorindustriellen Zeitalter sein – zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert. Den Forschern zufolge ist die Erderwärmung „eindeutig“ durch den Menschen verursacht. Einige Auswirkungen der Erderwärmung wie der Anstieg der Meeresspiegel und das Schmelzen der Gletscher sind nach Angaben der UN-Klimaexperten bereits heute „unumkehrbar“. (APA/AFP/dpa)

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