„Raitbücher“ der Pfarre St. Notburga: Eine Heilige als Wirtschaftsfaktor

Anhand historischer „Raitbücher“ wurde Neues über die heilige Notburga herausgefunden.

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Die „Raitbücher“ der Pfarre St. Notburga in Eben wurden unter die fachmännische Lupe genommen.
© Rittler/Walser

Von Peter Hörhager

Eben-Maurach – Sie ist die einzige Heilige Tirols und wird in allen Landesteilen (und nicht nur dort) verehrt: die hl. Notburga. Die vielen Publikationen über die Unterländer Dienstmagd sind nun um ein weiteres Dokument gewachsen, das besondere Seiten der Notburga-Verehrung aufzeigt. Historikerin Ingrid Rittler und Gemeindechronist Johann Walser haben die 13 „Raitbücher“ (Rechnungsbücher) der Pfarre St. Notburga in Eben unter die Lupe genommen und vor allem transkribiert. Und in jahrelanger Arbeit viele bisher unbekannte oder unbeachtete Fakten aufgedeckt.

Das Autorenduo hat auch Unterlagen aus dem Pfarrarchiv, dem Diözesanarchiv Brixen und anderen Quellen gesichtet. Das Ergebnis ist ein reich bebilderter, 500 Seiten starker Band mit dem Titel „Die St. Notburga-Kirche und die Menschen auf dem Eben“, der im Eigenverlag des Vereins „Freunde der St. Notburgakirche in Eben“ herausgegeben wurde.

Neben den Spuren, die Kuraten, Kirchenpröbste, Mesner und Lehrer in Eben hinterlassen haben, liefert die Dokumentation Einblicke in den Aufbau des Schulwesens, die Entwicklung der Gastronomie am Achensee und die Geschichte der Wallfahrt zur Notburgakirche. Kirchliches Brauchtum, Bau- und Sanierungsarbeiten und sogar die Geschichte der Achenseebahn sind weitere Themen, die behandelt werden.

Wie ein Krimi liest sich das Kapitel über den „Kirchenraub“. Im Jahre 1878 geschah – wörtlicher Text – „das Unfassbare“: Die in einem mit schweren Eisenplatten gesicherten Glasschrein verwahrte Reliquie der Notburga wurde beraubt. Die Diebe ließen die diversen Kostbarkeiten, mit denen die Reliquie geschmückt war (die silberne Sichel, den goldenen Kopfkranz, den Schlüsselbund aus Edelmetall, das golddurchwirkte Kleid) mitgehen, wurden aber wenig später in München verhaftet, wo sie ihre Beute verkaufen wollten.

Erhältlich ist das Buch unter anderem im Gemeindeamt Eben-Maurach und im Notburga-Museum.


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