Süßester hochprozentiger Honig: Barocker Folkabend mit Pfiff

Alte Musik, gesungen, gespielt und mit hohem Wohlfühlfaktor, beim barocken Folkabend im Rahmen der Innsbrucker Festwochen.

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Konzert mit Pfiff. Aira Maria Lehtipuu (Violine), Tenor Jeffrey Francis, Keren Bruce Westerlund (Gambe) und Cellist Johannes Rostamo (v. l.).
© Festwochen

Innsbruck – Du glückliches Innsbruck, das du es vermagst, an einem ganz normalen Montagabend zur quasi nocturnen Beginnzeit von 21 Uhr ein Festwochenkonzert mit gehobenem Programm (und entsprechenden Ticketpreisen) auszuverkaufen! Zumindest ein Hauch von Weltstadt ist uns gegönnt.

Apropos gönnen. Aufgetischt wird an diesem späten Abend vorgestern im Haus der Musik meist freudvolle, beschwingte Kost. Wer Alte Musik im verstaubten Eck ansiedelt, irrt gewaltig.

Das konzertante Geschehen läuft launig unter dem Titel „Grappa, Scotch & Bourbon“, soll heißen (vorwiegend barockes) Liedgut und Instrumentalmusik mit Herkunft Italien, Schottland, und Amerika. Gottlob wird nicht wirklich Hochprozentiges kredenzt. Sonst hätte man von der Klasse das gastierenden Folk Baroque Ensembles möglicherweise nur peripher etwas mitbekommen. Das wäre ein Jammer gewesen.

Folk im besten Sinn dieser Gattung blickt auf eine bestens gepflegte, lange Tradition zurück. Auf der Bühne kommen historische Instrumente wie Barockgitarre, Gambe oder die langhalsige Theorbe zum Einsatz. Dazu gesellen sich ausgelassen aufspielende Violinen und Flöten. Die ausgewählten Stücke, wiewohl ein paar Jahrhunderte alt, wirken zeitlos schön. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich hinwegzuträumen in ein Music-Pub im schönen Edinburgh (oder meinetwegen auch in Inverness) – diesfalls tatsächlich mit einem Scotch Single Malt vor der Nase.

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Mitklatschen, ja sogar Mitstampfen, ist ausdrücklich erwünscht, wie diese fröhliche Musik ja überhaupt sehr zum Interagieren anregen würde (ein Tänzchen wagt dann aber doch niemand).

Tenor Jeffrey Francis, dem Festwochen-Publikum aus vielen Produktionen vergangener Jahre bekannt, darf man aus dieser Selektion musikalischer Stimmungsmacher doch besonders hervorheben. Nach einer kleinen Aufwärmphase bewältigt er den gesanglichen Part ansprechend, voller Inbrunst und mit viel Herzenswärme.

Es sind fröhliche, manchmal sentimentale Lieder über all die „lasses and lads“ da draußen, die Mädels und Burschen, schmachtend nach der fernen Liebe.

Das geht runter wie süßester Honig. (mark)


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