Elefanten erfinden neue Laute und imitieren sich gegenseitig

Ein Team der Universität Wien konnte eine erstaunliche Kreativität und Flexibilität in der Kommunikation von Elefanten feststellen. Anscheinend imitieren die Tiere ihre Artgenossen und erfinden neue Töne.

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Ein Team der Verhaltens- und Kognitionsbiologie an der Uni Wien forscht zur Kommunikation der Elefanten.
© imago images

Wien – Forscher der Universität Wien beschäftigen sich seit einiger Zeit mit der Kommunikation von Elefanten. Zuletzt berichteten sie über Tiere, die nicht nur trompeten und sich mit sehr tiefen Tönen unterhalten, sondern ihren Rüssel auch zum Quietschen nutzen. Nun beschreiben sie im Fachblatt Biology, wie individuell und kreativ Elefanten bei der Erfindung neuer Laute sind. Weiters berichten sie davon, dass die Tiere auch Laute von Artgenossen kopieren. Dabei ziehen sie quasi alle Register: Vom Kehlkopf bis in die Rüsselspitze.

Elefanten sind akustisch vielfältig

Bei den komplexen sozialen Systemen der Elefanten ist die akustische Verständigung für die erstaunlichen Tiere äußerst wichtig. Die bekannteste elefantische Lautäußerung ist das Tröten, das durch einen kräftigen Luftausstoß durch den Rüssel erzeugt wird. Welche anatomischen Strukturen dabei in Schwingung geraten, ist noch nicht vollständig erforscht.

Des Weiteren stehen die sogenannten Rumble-Laute im Fokus der Forschung. Dabei handelt es sich um sehr tiefe Töne, die teilweise im Infraschallbereich bei rund 16 Hertz und damit unter der menschlichen Hörschwelle liegen. Mit diesen Tönen können sich die Tiere über große Distanzen hinweg verständigen. Beispielsweise um während ihren Wanderungen mit der Herde oder Familie den Kontakt zu halten oder um mit anderen Gruppen zu kommunizieren.

📽️ Video | Elefanten können auch Quietschen

Elefanten erfinden immer wieder neue Laute

Beim Herumspielen mit ihrem Stimmapparat kommen Elefanten immer wieder neue Laute aus, die die Forscher auf den Plan rufen. Erst kürzlich konnte ein Team um Angela Stöger vom Department für Verhaltens- und Kognitionsbiologie der Universität Wien zeigen, wie Asiatische Elefanten bei Aufregung extrem hohen Quietschlaute produzieren. Auch bei Afrikanischen Elefanten, die sich meist im tieffrequenten Bereich austauschen, kommen Äußerungen vor, die eher den hochfrequenten Lauten von Papageien ähneln.

In der aktuellen Untersuchung verglichen Stöger und Anton Baotic nun diese ungewöhnliche Laute von Elefanten, die im südafrikanischen Botswana und im Zoo von Dresden leben, mit einem großen Satz an Daten, in dem bereits bekannte Laute gespeichert sind. Tatsächlich fanden sich in den umfassenden Aufzeichnungen aus dem Jahr 2003 keine Übereinstimmungen, heißt es am Mittwoch in einer Aussendung der Uni. Die Tiere haben ihre exotischen Äußerungen also neu erfunden. Andere haben diese dann offenbar übernommen.

Elefanten können mit verschiedenen Herangehensweisen sowohl in tief- als auch in hochfrequenten Tönen kommunizieren.
© Universität Wien/Angela Stoeger

Elefanten haben verschiedene Herangehensweisen

Bei der Lautproduktion fand sich eine große Bandbreite: Als Hochtöner eignet sich der relativ große Kehlkopf mit den ebenso langen Stimmbändern nämlich eher nicht. Die Tiere setzen daher die Muskeln des Rüssels oder des Mauls ein. So saugen sie Luft durch die Rüsselspitze ein, um das hochfrequente Quietschen zu erzeugen, wie auch ein Video der Wissenschafter zu der Publikation zeigt. Die Forscher beobachteten auch, dass einige Elefanten die Muskeln an der Rüsselbasis immer wieder zusammenziehen, was zu pulsierenden Lauten mit niedriger Frequenz führt. Interessant war außerdem, dass verschiedene Tiere mitunter auf andere Herangehensweisen setzten, um ähnliche Töne zu produzieren.

Die erstaunlichen Fähigkeiten der Elefanten, Laute gezielt neu zu formen, zu imitieren und zu verändern, teilen sie mit nur sehr wenigen Tieren. Beispielsweise mit Papageien oder Walen. Mit einem besonders großen Stimmumfang gesegnet ist übrigens die Elefantenkuh Sawu aus dem Dresdner Zoo: Ihre Bandbreite reicht von den extrem tiefen Rumbles bis in lichte Höhen von 1800 Herz – und damit immerhin höher als es Meerschweinchen schaffen. Für ihr Quietschen presst sie die Rüsselspitze zusammen, verschließt einen Nasengang, und saugt Luft über den anderen ein. Diese Methode sei bisher unbekannt gewesen, so die Wissenschafter. (APA)


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