Hagel, Sturm und Starkregen: Wetter setzt Landwirtschaft zu

Laut AMA liegt die österreichische Getreidefläche derzeit auf einem Rekordtief. Dem liegen extreme Wetterereignisse zugrunde. Während der Lockdowns waren Bio-Produkte besonders beliebt –Österreich bleibt bei Bio-Ackerfläche im europäischen Spitzenfeld.

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Die extremen Wetterereignisse führen zu deutlich weniger Ackerfläche in Österreich.
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Wien – Landwirte wurden in den letzten Wochen von Hagel, Sturm und Starkregen schwer getroffen. "Die heurige Getreideproduktion (exkl. Mais) wird auf rund 2,9 Mio. Tonnen geschätzt und sinkt durch Flächenrückgänge und etwas geringere Hektarerträge unter das Vorjahresniveau sowie unter das langjährige Mittel," informiert Günter Griesmayr, Vorstandsvorsitzender der Agrarmarkt Austria (AMA).

Die österreichische Flächennutzung wurde von Wetterextremen bestimmt. Die Getreideflächen gingen durch den regenreichen, kühlen Herbst deutlich zurück. Außerdem reduzierte die mittlerweile fast alljährliche Fühjahrstrockenheit den Frühjarsanbau. Die Gesamtgetreidefläche 2021 (exkl. Mais) von 516.520 Hektar liegt mit 489.781 ha um 5 Prozent unter dem Vorjahr. Auf das Ausmaß von fünf Jahren gesehen, schrumpfte die Gesamtgetreidefläche um ganze 11 Prozent.

Weichweizenfläche historisch gering

Aufgrund der widrigen Anbaubedingungen im Herbst 2020 verlor die Weichweizenfläche 8570 ha und minimierte sich so auf ein historisch geringes Ausmaß. Trotzdem ist der Weichweizen die mit Abstand meist angebaute Getreideart auf den heimischen Äckern. Roggen landete wegen Preisrückgängen und nassen Anbaubedingungen ebenfalls auf einem Flächentief von 32.769 ha. Die Fläche für Ölraps setzte ihren steilen Abwärtstrend der Vorjahre fort und landete auf einem Langzeittief von lediglich 28.189 ha.

Dinkel, Hartweizen und Soja beliebt

Dinkel erfreut sich dagegen einer regen Nachfrage, weshalb die Anbaufläche jener alten Getreideart um 5.082 ha auf ein Allzeithoch von 20.335 ha ausgeweitet wurde. Nachfragesteigerungen konnte auch Hartweizen durch erhöhten Teigwarenabsatz (+358,4 Prozent in der Kalenderwoche 11/2020) während den Lockdowns erzielen, weshalb die Fläche um 2.951 ha ausgedehnt wurde.

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Der Aufwärtstrend der Sojabohnenfläche konnte heuer mit weiteren 7.266 ha fortgesetzt werden. Dem Zugrunde liegt die Nachfrage nach Lebensmitteln aus dieser Hülsenfrucht sowie nach einer hochwertigen Eiweißquelle in der Fütterung.

Soja ist derzeit sehr beliebt.
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Kürbis nachgefragt, Körnermais Gewinner des Klimawandels

Ein weiterer Nachfragetrend, nämlich die zunehmende Beliebtheit von Kürbiskernöl, führt zu 4.250 ha mehr Kürbisfläche und somit zu einem Rekordanbau. Niederösterreich löste die Steiermark bereits 2016 als bedeutendstes Kürbisanbaugebiet ab. Körnermais zählt durch seine Fähigkeit auch in heißen Jahren stabile Erträge zu erzielen bisher zu den Gewinnern des Klimawandels, weshalb auch heuer die Anbaufläche um 4.871 ha erhöht wurde.

Fast zehn Prozent weniger Weichweizenernte als im Vorjahr

Die Erntemenge von Weichweizen – die Kultur mit dem höchsten Flächenanteil in Österreich – beträgt laut AMA rund 1,4 Mio. Tonnen. Somit liegt sie um 5,5 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt und sogar um 9,2 Prozent unter dem guten Vorjahresergebnis. Dies wurde durch den massiven Rückgang der Anbaufläche in Kombination mit geringeren Hektarerträge (-8,2 Prozent) als im Vorjahr erreicht. Der Hektarertrag von 5,6 t/ha ist dennoch als durchschnittlich (-0,4 Prozent) einzustufen.

Österreichischer Weizen deckt Inland und Export

Trotz der von zahlreichen Regen- und Hagelereignissen unterbrochenen Erntephase weist die österreichische Weizenernte 60 Prozent Qualitäts- und Premiumweizen auf. Das heimische Weizenangebot kann somit alle Verarbeitungssektoren im Inland sowie im Export, vor allem nach Italien, bedienen. Laut EU-Kommission besteht durch die ausgedehnten Regenfälle im Juli in den bedeutenden EU-Anbaugebieten eine Unsicherheit der Weizenqualität.

Besonders Hagel hat den Getreidebeständen in Oberösterreich zugesetzt. (Im Bild: Hagel aus Niederösterreich).
© ÖHV

Totalausfälle durch historisch größtes Hagelereignis

Die Auswirkungen des historisch größten Hagelereignisses in der Geschichte der Hagelversicherung in Oberösterreich sind weitreichend. Bis zu diesem Zeitpunkt gut entwickelte Getreidebestände wurden massiv geschädigt. Der Hagel führte teilweise sogar zu Totalausfällen. In den für den Roggen bedeutenden Regionen im Spätdruschgebiet Waldviertel kommt es derzeit aufgrund von Unwettern immer wieder zu Verzögerungen der Ernte.

Mehr Bio während Lockdown

Der Bio-Anteil an der Ackerfläche liegt weiterhin bei hohen 20 Prozent. Hiermit liegt Österreich weiter im europäischen Spitzenfeld. Der Bio-Anteil an der Gesamtgetreideproduktion beträgt zehn Prozent, der Bio-Anteil an der Verarbeitung sieben Prozent und der Bio-Anteil an den Lagerbeständen 14 Prozent.

Die Lager für Biogetreide sind geringer als im Vorjahr. Der Einsatz an Bio-Getreide in der Mehlproduktion wurde zum Vorjahr um acht Prozent erhöht, der Bio-Getreideeinsatz in den Mischfutterwerken wuchs um zwei Prozent. Die Verarbeitungsbetriebe im industriellen Sektor konnten ihre Bio-Mengen um 22 Prozent steigern. Insgesamt konnte während des Lockdowns ein Trend zu einem höheren Bio-Konsum festgestellt werden. Durch die positive Entwicklung der Bio-Absätze gehen die Überhänge in den Bio-Getreidelagern zurück. (APA)


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