„Es gibt mehr als das, was es gibt“: Heart of Noise dreht auf

Das Innsbrucker „Heart of Noise“-Festival findet heuer von 3. bis 5. September statt. Einmal mehr müssen dabei neue Räume lustvoll erschlossen werden. Diesmal: die Dogana.

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Der Klang- und Performancekünstler Robert Henke entlockt alten Commodore-Computern bisweilen unerhörte Töne. Am 3. September eröffnet er das „Heart of Noise“ 2021.
© HoN

Innsbruck – Seinen 10. Geburtstag feierte das „Heart of Noise“-Festival im Vorjahr mit strengem Sicherheitskonzept und Stuhlkonzerten im Innsbrucker Haus der Musik: eine etwas andere Erfahrung, deren Reiz sich allerdings vergleichsweise schnell erschöpfte.

Das heurige Festival war zunächst für Anfang Juni angesetzt. Pandemiebedingt wurde es auf den 3. bis 5. September verschoben. Was von Stefan Meister und Chris Koubek, die „Heart of Noise“ inhaltlich und organisatorisch verantworten, auch räumliches Um- und Weiterdenken forderte. „Durch die Verschiebung fiel das Haus der Musik als Spielstätte aus“, erklärt Koubek. Dort ist der September bereits fix verplant. „Aus Notwendigkeit mussten wir uns umschauen. Das Angebot der Dogana war vertretbar. Daher gehen wir heuer das Risiko der zwar teureren, aber auch ungleich größeren Spielstätte ein.“

Der kurzfristige Umzug eröffnet auch neue Möglichkeiten. „Selbst unter strengeren Sicherheitsvorgaben können wir mehr als doppelt so viele Karten auflegen“, sagt Koubek. Aktuell gibt es – bis auf die 3-G-Regel und Registrierungspflicht – kaum Einschränkungen. Trotzdem verkauft „Heart of Noise“ vorerst nur jeden zweiten Platz, da Ende August angesichts neuerlich steigender Infektionszahlen weitere Beschränkungen angekündigt werden könnten.

Nach den alten Stadtsälen, dem Treibhaus und dem Haus der Musik ist der Congress die vierte Hauptspielstätte des Festivals. Und manchen Programmpunkten kommt der neue Raum durchaus entgegen. „Als Festival können wir nur durch Formate punkten, die über die gängige Konzert-erfahrung hinausgehen“, sagt Programm-Bastler Stefan Meister. Formate mit raumgreifendem Klang- und Optikkonzept, „die Platz brauchen und denen der Platz gut tut“. Robert Henkes Projekt CBM 8032 AV zum Beispiel, das das Festival am 3. September eröffnen wird. Henke entlockt alten Commodore-Computern neueste Töne. Mit seinen Installationen und Perfomances bespielt er Clubs und namhafte Galerien. „Im Festivalkontext kann er noch größer und fetter denken“, sagt Meister. Gleiches gilt für die Produktion „Saccades – Perception takes Time“ des Duos Lippok & Lillevan, die am Festival-Samstag angesetzt ist. Auch, fügt Meister an, würden „neue Aufführungsweisen erprobt und dadurch für das Publikum neue Wahrnehmungs- und Erlebnismöglichkeiten eröffnet“.

Seit den Anfängen verstehe sich das Festival als „temporäre autonome Zone“, meint Meister, als Ort, der sicht- und hörbar macht, „dass es mehr gibt als das, was es gibt – und dass dieses Mehr so lustvoll konsumiert werden kann wie das hinlänglich Bekannte“.

Apropos bekannt: Breitentauglichster Act des aktuellen „Heart of Noise“-Jahrgangs sind zweifelsfrei die Hamburger Indie-Ikonen Die Sterne, die am Sonntag, 5. September, auftreten. Ein sonntägliches Sterne-Solo wäre aber ein allzu konventioneller Festivalausklang. Daher wird es im Anschluss mit dem hochartistischen Death Metal von Ad Nauseam noch mal richtig laut. Oder in den Worten von Stefan Meister: „Ein großer Spaß.“ (jole)


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