Wenig Platz im Vuelta-Spitzenduell: Großschartner will mitmischen

Die 76. Vuelta (ab Samstag) ist top besetzt, alles stellt sich auf den Kampf zwischen Hattrick-Aspirant Primoz Roglic und Grand-Tour-Sammler Egan Bernal ein. Kann da Felix Großschartner die Sensation abliefern?

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Der Kolumbianer Egan Bernal (weiß hier bei der Tour de France 2020) will Primoz Roglic (r. in Gelb) den Hattrick noch vermiesen.
© AFP/Bertorello

Von Roman Stelzl

Burgos – Es braucht heuer keinen „Hai von Messina“, damit die Favoriten der 76. Spanien-Rundfahrt richtig hungrig auf den Gesamtsieg sind. Der Italiener Vincenzo Nibali, der diesen Spitznamen trägt, ist neben Rad-Star Tadej Pogacar einer der wenigen Abwesenden im stark besetzten Teilnehmer-Feld der 21 Etappen langen Vuelta, die von morgen bis zum 5. September durch Spanien führt. Und die Besten haben geradezu Historisches vor.

🚴‍♂️ Egan Bernal: Der Kolumbianer führt das „Dream Team“ von Ineos Grenadiers in die erwartete Hitzeschlacht auf der Iberischen Halbinsel. Der 24-Jährige könnte der erst vierte Fahrer der Geschichte werden, der den Giro d’Italia und die Vuelta in einem Jahr gewinnt. Zuletzt war das dem Spanier Alberto Contador gelungen. Die Form stimmt, die wenigen Renneinsätze heuer sprechen dafür, dass der Tour-de-France-Champion von 2019 viel Fokus auf den Spanien-Triumph gelegt hat. Seine größten Konkurrenten könnten aber im eigenen Team warten, schickt Ineos doch auch Mitfavorit Richard Carapaz (ECU) und Adam Yates (GBR) ins Rennen.

🚴‍♂️ Primoz Roglic: Einen Hattrick gab es in der Geschichte der Vuelta erst zweimal, nun könnte sich das in Santiago de Compostela am 5. September wiederholen. Der 31-jährige Slowene will in die Fußstapfen des Schweizer Dreifach-Siegers Tony Rominger (1992–94) und Roberto Heras (ESP/2003–2005) treten. Die Vuelta liegt Roglic einfach, sein Team Jumbo-Visma mit US-Geheimtipp Sepp Kuss reiht sich wie ein Güterzug an den Top-Favoriten. Nach dem erneut verpassten Tour-de-France-Titel lieferte Roglic im Olympia-Zeitfahren eine Machtdemonstration ab. Am Ende läuft wohl alles auf ein Duell mit Bernal hinaus.

📆 76. Vuelta a Espana

Die wichtigsten Etappen:

  • 14.8.: 1. Etappe: Einzelzeitfahren Burgos – Burgos (7 km).
  • 16. 8.: 3. Etappe: Santo Domingo de Silos – Picon Blanc (202 km).
  • 20. 8.: 7. Etappe: Gandía – Balcón de Alicante (152 km).
  • 22. 8.: 9. Etappe: Puerto Lumbreras – Alto de Velefique (188 km).
  • 28. 8.: 14. Etappe: Don Benito – Pico Villuercas (165 km).
  • 1. 9.: 17. Etappe: Unquera – Lagos de Covadonga (185 km).
  • 2. 9.: 18. Etappe: Salas – Altu d’El Gamoniteiru (162 km).
  • 5. 9.: 21. Etappe: Zeitfahren Padrón – Santiago de Compostela (33 km).

Endstand Gesamtwertung 2020: 1. Roglic (SLO/Jumbo), 2. Carapaz (ECU/Ineos) +0:24 Min., 3. Hugh Carthy (GBR/EF) +1:15; 9. Großschartner (AUT/Bora) 8:15.

🚴‍♂️ Hugh Carthy: Lässt man den internen Ineos-Kampf um die Krone einmal außer Acht (Carapaz ist als Vorjahres-Zweiter heiß auf die Vuelta), dann könnte am ehesten der 27-jährige Brite dem Top-Duo die Show stehlen. Wie Bernal richtete auch der EF-Nippo-Fahrer viel auf Spanien aus, beim Giro d’Italia gab es Rang acht, bei der Vuelta im Vorjahr Rang drei. Sein Manko könnte sein, dass der EF-Express mit den Helfern nicht so schwungvoll dahinrauscht wie der seiner Konkurrenten, darunter auch „Vuelta a Burgos“-Sieger Mikel Landa (ESP), der immer für Großes gut ist.

🚴‍♂️ Felix Großschartner: „Unser Ziel ist es, Felix in der Gesamtwertung weit nach vorne zu bringen“, umschrieb der Tiroler Patrick Gamper seine Rolle im Bora-Team. Nach Rang neun im Vorjahr soll nun die Stunde des 27-jährigen Oberösterreichers schlagen. Aber ob da in diesem Top-Feld wirklich Platz für eine Sensation ist, lässt sich stark bezweifeln und hängt viel mehr vom Scheitern anderer ab. Der Fokus wird alsbald eher auf einzelnen Teilstücken liegen. „Ich will nach der 21. Etappe im Bus sitzen und mit mir zufrieden sein, dass ich mein Bestes gegeben und keine Fehler gemacht habe“, sagte Großschartner, einer von drei Österreichern bei der Vuelta.


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