Erler Gitarrenfestival: Einmal Lockdown und ganz schnell zurück

Das „European Guitar Quartet“ eröffnet in eilig geänderter Besetzung Julia Malischnigs Erler Gitarrenfestival.

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Zoran Dukić, Einspringer Petrit Çeku, Thomas Fellow und Reentko griffen temperamentvoll in die Saiten.
© Rita Falk

Von Markus Schramek

Erl – Die Kärntner Gitarristin Julia Malischnig hat daheim an den Gestaden des Millstätter Sees ihr Gitarrenfestival fest etabliert: bisher 14. Auflagen. In Tirol ist dieses Veranstaltungsformat – akustische Gitarren mit breit gestreuten Stilrichtungen – relativ neu. Zum aber immerhin dritten Mal und mit beachtlicher Publikumsresonanz bespielen Malischnig und eingeladene KollegInnen dieser Tage das Festspielhaus in Erl, im Nachhang der kürzlich verklungenen Sommerfestspiele.

Julia Malischnig (Gitarre, Gesang) holte sich für den Eröffnungsabend das umbesetzte „European Guitar Quartet“ ins Erler Festspielhaus.
© Rita Falk

Donnerstagabend ging es los. Gastgeberin Malischnig selbst und das European Gui-tar Quartet zelebrieren ein musikalisches Tête-à-Tête, ein Crossover der Techniken und Klänge, klassisch streng bis feurig ausgelassen. Auf feingliedrig Etüdenhaftes folgen Tempoverschärfung und Rock, da wird dann herzhaft gejammt, dem Flamenco gehuldigt und auf der Gitarre leidenschaftlich getrommelt, ganz so, als wäre dies hier ein Percussiongerät.

Die Besetzung hat sich kurzfristig geändert, aus Gründen, über die auch auf Nachfrage nichts zu erfahren ist. Wie auch immer. Pavel Steidl, sonst ein fixes Viertel des European Guitar Quartet, ist nicht zugegen. Für ihn wurde in der Nacht zuvor Ersatz nominiert in Person von Petrit Çeku. Der weilt ohnehin vor Ort, ist er doch am Freitag für einen Auftritt mit seinem angestammten Trio Elogio in Erl gebucht.

Glücklich, wer solch ein Substitut zur Hand hat. Der aus dem Kosovo stammende Çeku fügt sich nahtlos in das European Guitar Quartet ein. Profis auf diesem Niveau benötigen nicht viel mehr als ein kurzes gegenseitiges Zunicken, um sich spielend zu verständigen.

Der Deutsche Thomas Fellow übernimmt mit launigen Ansagen den Part des Moderators. Er ist ergriffen von Architektur und Akustik im Festspielhaus. Glücklicherweise verzichten er und seine Kollegen aufs Jodeln und glänzen ersatzweise mit temperamentvollen Eigenkompositionen sowie Ausleihen bei großen Namen wie Frank Zappa oder Astor Piazzolla.

Der Saal will nach Spaß machenden zwei Konzerthalbzeiten mehr und bekommt mehr. „Coronella“, der von Fellow so zitierte „Rausschmeißer“, ist ein Produkt der Pandemie. Da geht es in der Tonhöhe stets bergab in Richtung Lockdown: Während des Spielens werden Saiten nach unten gestimmt. Dafür dauert das Stück nicht lange. Daran möge sich Corona ein Beispiel nehmen. So zumindest die Hoffnung.


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