„Die Wunderübung“: Tasten, tänzeln, taumeln – und täuschen

Ein leichter Sommerspritzer zum Ausklang: Mit Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ geht das heurige Steudltenn-Festival in seine letzte Runde.

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Szenen einer zerrütteten Ehe: Michaela Schausberger, Eduard Wildner und Johannes Rhomberg in „Die Wunderübung“.
© un attimo photography

Von Joachim Leitner

Uderns – Das Stück hat sich bereits bewährt. Vielfach. 2015 wurde Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ in den Kammerspielen der Josefstadt uraufgeführt. Seither steht es – gefühlt – immer irgendwo auf dem Spielplan. In größeren Häusern im ganzen Sprachraum. Und in kleineren, dem Innsbrucker Kellertheater zum Beispiel. Im Kino – Michael Kreihsl hat das Stück 2018 verfilmt. Selbst als Buch – selten genug für einen Bühnentext – war „Die Wunderübung“ erfolgreich.

Nun erlaubt sich auch das Zillertaler Steudltenn-Theater eine Portion gehobenen Boulevard. Gewissermaßen als leichter Sommerspritzer zum Ausklang der heurigen Spielzeit. Die war mit zwei Uraufführungen durchaus ein Wagnis. Und – so hört man – gemessen am Publikumszuspruch eines, das sich gelohnt hat. Auch deshalb will in und um Uderns dieser Tage gelacht werden. Genau dafür hat Glattauer seine „Wunderübung“ geschrieben. In der Praxis eines Paartherapeuten werden Szenen einer zerrütteten Ehe durchgespielt.

Natürlich sind es Klischees, die hier vorgeführt werden. Natürlich bleiben die Figuren Stereotypen: Sie, Joana, ist frustrierte Ehefrau, gestresste Mutter und Teilzeit-Akademikerin; Er, Valentin, lebt für den Job, legt daheim die Beine hoch und hatte mal was mit einer Brigitte, die in Liebesfragen auf französischer Betonung besteht. Der Therapeut hört zu, fragt nach, rückt das zerlebte Gegeneinander mit den Tricks eines geübten Taschenspielers wieder ins Lot – und verliert darüber selbst die Fassung. Davor und danach geht’s hin und her, rauf und runter. Die Stimmung bleibt harmlos, aber heiter.

„Die Wunderübung“ ist also keine sonderlich gehaltvolle, aber kurzweilige Gebrauchskomödie. Und in der Steudltenn-Version vielleicht sogar noch ein bisschen kurzweiliger, weil die Spielfassung stark verdichtet, sprich gekürzt, und manche therapeutische Übung ganz gestrichen wurde. Der Verlust ist verschmerzbar: Letztlich wird die angeleitete Eskalation durchwegs von derselben Mechanik angetrieben.

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Konzipiert wurde die Produktion für das Festival von der jungen Wienerin Anna Marboe. Sie hat das Stück um Tanzeinlagen erweitert, die – erstens – das dann doch recht einförmige Sitzkreis-Setting aufbrechen und – zweitens – die Unverwüstlichkeit der Beatles einmal mehr beweisen. Ob es diesen Beweis gebraucht hätte? Egal. Als Sommerspritzer-Soundtrack bleiben die FabFour eine Bank. Bühne (Gerhard Kainzner) und Kostüme (Andrea Bernd) sind unaufdringlich funktional. Alles ist schön eindeutig, klar konturiert – und beinahe verblüffend vorhersehbar. Gespielt ist diese „Wunderübung“ ganz vorzüglich: Eduard Wildner gelingt als zunächst vorsichtig tastendem, dann tänzelndem und schließlich taumelndem Beziehungscoach eine feine Studie echter und täuschend echter Zustände. Michaela Schausberger und Johannes Rhomberg überzeugen als Paar, das seine Sehnsucht nach Versöhnung hinter grellen Gehässigkeiten versteckt.


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