28 Tote bei Explosion von Treibstoff-Lager im Libanon

Der Libanon erlebt die schwerste Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut vor einem Jahr verschärfte die Lage. Jetzt schockt eine neue Detonation das Land.

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Die Ursache für die Explosion war zunächst unklar.
© GHASSAN SWEIDAN

Beirut – Rund ein Jahr nach der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut ist der Libanon erneut von einer schweren Detonation mit Dutzenden Opfern erschüttert worden. Mindestens 28 Menschen kamen ums Leben, als sich im Norden des Landes ein Treibstofftank entzündete, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Beirut am Sonntag erklärte. Mindestens 79 Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes verletzt. Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar.

Militär- und Sicherheitskreisen zufolge war die Armee gerade dabei, in der Stadt Altalil Benzin an Einwohner aus einem beschlagnahmten Treibstofftank zu verteilen, der von Schwarzmarkthändlern versteckt gewesen sei. Der Libanon leidet im Zuge einer schweren Wirtschaftskrise unter einem großen Treibstoffmangel, der zu langen Schlangen an den Tankstellen und häufig zu längeren Stromausfällen führt. In der vergangenen Woche wurden mehrere Tankwagen mit Treibstoff gestohlen.

Ein Treibstofftank hat sich entzündet und eine Detonation ausgelöst.
© FATHI AL-MASRI

Vor gut einem Jahr waren bei einer gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut mehr als 190 Menschen getötet und rund 6000 verletzt worden. Die Hinterbliebenen sprechen sogar von 218 Todesopfern. Große Teile des Hafens und der anliegenden Wohngebiete wurden zerstört. Die Detonation soll durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die über Jahre ungesichert im Hafen gelagert wurden. Die genauen Umstände sind noch immer unklar.

Wirtschafts- und Versorgungskrise verschärft sich

Die neue Explosion reiht sich in eine Reihe von Hiobsbotschaften ein, die das Land immer wieder treffen. Der Libanon leidet seit fast zwei Jahren unter der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Die Regierung ist kaum noch handlungsfähig, große Teile der Bevölkerung sind in Armut abgerutscht. Die Inflation liegt bei rund 120 Prozent. Die libanesische Lira hat mehr als 90 Prozent ihres Wertes verloren.

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Die Krise hat zu einem massiven Versorgungsmangel geführt, der sich in den vergangenen Tagen weiter verschärfte. So fehlt es an Treibstoff für Stromproduktion und Verkehr. Am Samstag bildeten sich vor geschlossenen Tankstellen lange Schlangen frustrierter Autofahrer, die vergeblich darauf warteten, tanken zu können.

Seit Wochen müssen die Menschen im Land täglich über Stunden ohne Strom auskommen. In Krankenhäusern und Apotheken mangelt es an lebenswichtigen Medikamenten. Gesundheitsminister Hassan rief dazu auf, Verletzte der Explosion außerhalb des Landes zu behandeln.

Der Fernsehkanal MTV zeigte Bilder von Menschen mit schweren Brandverletzungen. Ein Reporter des Senders berichtete, es seien viele Menschen am Ort der Explosion gewesen, die versucht hätten, Treibstoff zu bekommen. Libanesische Medien spekulierten, der dort gelagerte Kraftstoff habe nach Syrien geschmuggelt werden sollen.

Einsatzkräfte des Roten Kreuzes vor Ort.
© Lebanese Red Cross / AFP

Die Armee erklärte, unter den Opfern seien auch Soldaten. Der Treibstoff sei zuvor beschlagnahmt worden, um ihn zu verteilen. Der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Al-Talil sagte der Nachrichtenseite An-Nahar, jemand habe ein Feuerzeug entzündet. Augenzeugen berichteten hingegen dem Sender Al-Jadeed von Schüssen. Präsident Michel Aoun erklärte, diese neue Tragödie lasse die Herzen aller Libanesen bluten. Viele Libanesen reagierten wütend auf die Explosion, für die sie das Versagen der Politik und des Staates verantwortlich machen.

Mindestens 79 Menschen wurden bei der Explosion verletzt.
© ANWAR AMRO

Der Libanon ist seit Monaten politisch gelähmt. Die Regierung war kurz nach der Explosion im Beiruter Hafen Anfang August 2020 zurückgetreten und ist nur noch geschäftsführend im Amt. Wegen eines monatelangen Machtkampfs konnte noch immer kein neues Kabinett gebildet werden. Libanons politische Elite sieht sich schweren Vorwürfen der Korruption und Selbstbereicherung ausgesetzt. (APA/dpa/Reuters)


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