Größte Kraftwerksbaustelle im kleinen Urlaubsort Kühtai

1 Milliarde Euro Bauvolumen, eine am Ende 113 Meter hohen Dammkrone: Das neue Tiwag-Kraftwerk im Kühtai ist ech echtes Mega-Projekt.

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Der Baufortschritt des Tiwag-Kraftwerks im Kühtaier Längental lässt nach nur vier Monaten Bauzeit bereits die Dimensionen erahnen. Zur Einhaltung der Bauziele sind 35 Großmaschinen in ständigem Einsatz.
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Von Thomas Parth

Silz, Innsbruck – Im Kühtai schreiten die Arbeiten nach vier Monaten Bauzeit stetig voran. Als Erstes springt dem Autofahrer direkt neben der Straße ein Containerdorf mit 268 Räumen plus Kantine ins Auge. Die Ausmaße der eigentlichen Baustelle werden jedoch erst hinter den Absperrungen ersichtlich. Am Ende der Bauarbeiten wird der Damm eine Kronenhöhe von 113 Metern aufweisen und von einer Talseite des Längentals auf die andere reichen. „Das Ziel für heuer ist es, den felsigen Untergrund freizulegen, um einen dichten Anschluss von Dammkern und Fels zu gewährleisten“, informiert Tiwag-Projektleiter für den Speicherteich „Kühtai“ und das Kavernenkraftwerk „Kühtai 2“, Klaus Feistmantl. Um möglichst rasch voranzukommen, wird gleich an mehreren Stollen gleichzeitig gearbeitet. Dies funktioniert im Schichtbetrieb an sieben Tagen die Woche. „Es sind bereits 1,5 Kilometer an Stollen fertiggestellt“, bestätigt Tiwag-Bauleiter Johannes Pircher aus Sistrans. Aktuell sind zirka 250 Menschen an der Großbaustelle beschäftigt. Das reicht vom Bürojob über die Geologen, die das Tunnel-Ausbruchmaterial im Baustellenlabor vor Ort analysieren, bis zu den Tunnelbauern und Mineuren, die zehn Tage am Stück arbeiten und dann vier Tage frei bekommen.

Vorstandsdirektor Johann Herdina und Projektleiter Klaus Feistmantl (v. l.) klettern fürs Foto auf den 100-Tonnen-Muldenkipper.
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Um einen raschen Bauverlauf zu erzielen, sind gleich sieben „CAT 777“-Muldenkipper im Einsatz. Eines dieser Monstergeräte kann eine Zuladung von rund 50 Kubikmetern oder umgerechnet 100 Tonnen Erde und Gestein aufnehmen und befördern – im Vergleich: Ein herkömmlicher Lkw kann nur 20 Tonnen laden. Befüllt wird die Flotte von zwei 150-Tonnen-Baggern. „Kleinere“ knickgelenkte Volvo-Kipper mit „nur“ 40 bzw. 30 Tonnen Zulast kommen an den Baustellenrändern zum Einsatz. „Wir haben mit Raupen und Kränen in Summe 25 Großgeräte auf der Baustelle“, weiß Pircher. Wobei die große Tunnelbohrmaschine mit einem Durchmesser von 4,2 Metern erst im Jänner 2022 ihren Dienst aufnimmt. Dann wird der kontinuierliche Vortrieb für den Beileitungsstollen ins Stubai begonnen.

Die starken Regenfälle, teils mit Hagel, der vergangenen Tage bereiten Tiwag-Vorstandsdirektor Johann Herdina keine schlaflosen Nächte: „Wir haben bereits in der Baustelleneinrichtung sowie in der Planungsphase vor dem Bau große Rücksicht auf mögliche Naturereignisse genommen.“

Von großem Vorteil sei die Damm-Bauweise, wie sie bereits am Speicher Finstertal erfolgreich angewandt wurde. Anstelle einer betonierten und durch Asphalt abgedichteten Staumauer, wie sie der Speicher Längental aufweist, kann beim Speicher Kühtai das vor Ort gewonnene Material aufbereitet und für den Dammbau wiederverwendet werden. „Möglichst kurze Wege unter einem Kilometer“ lautet die Vorgabe, um Kosten und Umweltbelastung gering zu halten, unterstreicht Feistmantl.

Vorstandsdirektor Herdina schätzt die Gesamtbausumme des neuen Speichersees plus (Pump-)Kraftwerk auf 1 Milliarde Euro. Die Arbeiten sollen bis Ende 2026 abgeschlossen sein.


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