„Sargnagel – Der Film“: Ernüchterung mit Reparatur-Tragerl

In „Sargnagel – Der Film“ soll ein Film über Stefanie Sargnagel gedreht werden. Die spielt darin eine Variante ihrer selbst. Das hat Potenzial – und bleibt doch harmlos.

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Witz und Tragik auf der Meta-Ebene: Stefanie Sargnagel als Stefanie Sargnagel in „Sargnagel – Der Film“.
© Filmladen

Von Joachim Leitner

Innsbruck – „Sargnagel – Der Film“ ist ein Film über die Autorin Stefanie Sargnagel. Oder – präziser – ein Film, der auf Texte der Autorin Stefanie Sargnagel zurückgeht, in denen sie eine Figur namens Stefanie Sargnagel ihre Alltagserfahrung zu Social-Media-Miniaturen verdichten lässt. Und „Sargnagel – Der Film“ ist ein Film über einen Film, der ausgehend vom 2015 erschienenen Sargnagel-Buch „Fitness“ über die Autorin Stefanie Sargnagel gedreht werden soll. Kurzum: Die Sache ist komplex. Allerdings weit weniger kompliziert, als es klingt. Womit sich der Film (Buch und Regie: Sabine Hiebler und Gerhard Ertl) beinahe nahtlos in Stefanie Sargnagels Kunstkosmos einfügt. Auch ihre Texte und Zeichnungen sind zumeist von bestechender Einfachheit – und verhandeln doch ungleich verwinkeltere Zusammenhänge. Ihre besten „Statusmeldungen“ – so hieß Sargnagels 2017 vorgelegte Kurztextsammlung, deren Entstehung im Film eine größere Nebenrolle spielt und die in diesem Herbst im Innsbrucker Theater praesent zur Stückvorlage wird – lassen sich als manchmal zornige, manchmal ernüchternde Gegenwarts- und Gesellschaftsanalysen lesen. Die schonungslos Analysierten – auf Gendern darf an dieser Stelle verzichtet werden – regen sich darüber furchtbar auf. Die Angriffe auf Sargnagel kommen meistens von rechts. Auch diese verbalen Widerlichkeiten aller Art spielen im Film eine Nebenrolle. Allerdings eine ziemlich kleine. Was schade ist, weil gerade Sargnagels Kompromisslosigkeit sich wie anderen gegenüber integraler Bestandteil ihrer Kunst ist.

„Sargnagel – Der Film“ aber will vornehmlich Komödie sein. Sargnagel spielt Sargnagel. Hilde Dalik spielt Hilde Dalik, die Sargnagel spielen will. Und sie spielt Sargnagels halbwegs derangierte Freundin Mercedes. Dafür bekam sie zuletzt – und fraglos verdient – den Schauspielpreis der Diagonale. Michael Ostrowski wiederum spielt Michael Ostrowski, der sich als Regisseur des Sargnagel-Film-im-Film selbst verwirklichen will. Und Rabenhof-Chef Thomas Gratzer spielt einen Filmproduzenten, der zwar keinen Sargnagel-Text gelesen hat, aber die Krone – und seither weiß: „A guate G’schicht“. Das ist alles sehr heiter, bisweilen durchaus originell, ziemlich komisch – und von fast schon herausfordernder Harmlosigkeit. Die guten Pointen fallen eher nebenbei. Die besten stammen – in einer schönen Lesereise-Montage – direkt aus Sargnagels Texten. Die potenzielle Tragik allzu versoffener Frustbewältigung ist gut versteckt – und sie wird (noch tragischer) von der Aussicht auf ein Reparatur-Tragerl gemildert. In diesen Momenten entwickelt „Sargnagel – Der Film“ auch emotionale Kraft. Zumeist aber bleibt der Film im Rahmen des Vorhersehbaren. Vielleicht weil man mit einem Film der wirklich wahren Wahrheit nicht gerecht werden kann. Darüber jedenfalls wird in einer Szene heftig gefachsimpelt. In einer Sitzecke, die verdächtig an eine Finca auf Ibiza erinnert: zack, zack, zack.

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