Ein Saisonende für den Neustart von Dominic Thiem

Österreichs Tennis-Star Dominic Thiem wird 2021 kein Spiel mehr bestreiten – und setzt auf die Karriere.

  • Artikel
  • Diskussion
Nachdem bei einem Vorhandschlag neuerlich Schmerzen im Handgelenk auftauchten, beendete Dominic Thiem nach Beratung mit seinen Ärzten das Tennis-Jahr 2021 und legt den Fokus auf Jänner 2022.
© gepa/Steiner

Von Roman Stelzl

Wien – Es kam, wie es kommen musste, wie es befürchtet und erahnt wurde: Dominic Thiem wird nicht bei den US Open antreten. Damit nicht genug, wird der bald 28-jährige Niederösterreicher die Saison beenden und 2021 kein einziges Turnier mehr spielen, was heißt, dass auch das Davis-Cup-Finale Ende November in Innsbruck ohne Thiem stattfindet. „Es tut mir unendlich leid, den Titel in New York nicht verteidigen zu können, aber ich habe mich noch nicht von der Handgelenksverletzung, die ich im Juni in Mallorca erlitten habe, erholt“, meinte der US-Open-Sieger, der beim Schlagtraining wieder Schmerzen im Handgelenk verspürt hatte. Der 22. Juni war also das Ende einer verpatzten Saison – doch der Ausblick macht Mut.

Es tut mir unendlich leid, den Titel in New York nicht verteidigen zu können.
Dominic Thiem (zur verpassten Titelverteidigung bei den US Open)

ATP-Ranking

Schon alleine die Tatsache, dass Thiem immer noch Nummer sechs ist, zeigt, wie viel „Altlasten“ wegen der Corona-Pandemie noch in der Weltrangliste stecken. Das Ranking wurde einst eingefroren, damit die Spieler nicht „gezwungen“ werden, anzutreten und ihre Gesundheit zu riskieren. Das zieht sich trotz erster Schritte zur Normalität bis ins Jahr 2022 weiter – Thiem wird also trotz fehlender 2000 Punkte von den US Open nicht allzu weit zurückfallen.

In „normalen Jahren“ wäre das ganz und gar nicht der Fall: Thiem ist aktuell 46. der Jahreswertung 2021 mit 735 Punkten. Das reicht sonst etwa für Platz 75 am Jahresende. Alternativ gibt es das „Protected Ranking“, einen Verletztenstatus, mit dem Thiem nach der Rückkehr als Nummer fünf der Welt (Ende Juni) ohnedies alle Turniere spielen könnte.

Neustart

„Es war eine schwierige Entscheidung, aber langfristig bestimmt die richtige, weil ich hoffe, noch eine lange Karriere vor mir zu haben“ – mit diesem Satz im gestrigen Statement traf der 17-fache ATP-Turniersieger den Nagel auf den Kopf. Kaum etwas anderes ist im Tennis so fragil und so heikel wie eine Handgelenksverletzung, andere Karrieren wie jene von US-Open-Champion Juan Martín del Potro gingen daran kaputt. Alleine die Tatsache, dass Thiem nach der langen Pause mit Schiene bei einem Vorhandschlag wieder Schmerzen verspürte, lässt jeden Arzt die Ohren spitzen. Der „Einriss in der Sehnenscheide und der dazugehörigen Gelenkskapsel“, so die Diagnose, braucht Zeit. Und die nimmt sich Thiem nun auch.

Der Druck, den sich Österreichs Sportler des Jahres selbst und auch mit medialem Rückenwind machte, fällt weg. Zumal er heuer schon wegen „Motivationsproblemen“ pausierte. „Ich werde die Schiene nochmal für einige Wochen tragen, bevor ich das Training wieder langsam aufnehme.“ Das kann nur guttun. Physisch wie psychisch.

Sternchen

Somit beendet Thiem mit neun Siegen und neun Niederlagen samt dem Madrid-Halbfinale seine schwächste Saison seit 2012. Und der frühere Weltranglisten-Dritte ist nicht alleine: Roger Federer wird nach der anstehenden Knieoperation vielleicht nie wieder spielen. Rafael Nadal pausierte zuletzt ebenfalls so wie Novak Djokovic. Macht viel Platz für Nachfolger wie Daniil Medwedew, Stefanos Tsitsipas oder Alexander Zverev. Eine Generation, die bereits hinter Thiem nachrückt.

Ich werde die Schiene nochmal für einige Wochen tragen, bevor ich das Training wieder langsam aufnehme.
Dominic Thiem (zur Planung für den Heilungsprozess)

Auszeit

Also was tun mit fast fünf Monaten weiterer Turnierpause bis Jänner 2022? Es bleibt viel Zeit für Umweltprojekte – und auch für die Liebe (Freundin Lili Paul-Roncalli). Mit Jez Green ist derzeit ein neuer Fitness-Trainer dabei, um wortwörtlich neuen Schwung zu finden. Damit 2022 wieder ein richtiges Thiem-Jahr wird.


Kommentieren


Schlagworte