Landeskulturfonds trägt die Energiewende mit

Sei es die Direktvermarktung oder die erhöhte Nachfrage nach Photovoltaik am Stalldach: Der Landeskulturfonds vergibt gezielt Kredite für Landwirte.

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LHStv. Josef Geisler mit den Landwirten des Michelerhofs in Fiecht bei Untermieming, Bettina und Benjamin Kranebitter, und Thomas Danzl, Geschäftsführer des Landeskulturfonds (v. l.), bei der Hofbesichtigung.
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Von Thomas Parth

Mieming, Innsbruck – Seit seiner Gründung vor genau 70 Jahren hat sich das Aufgabengebiet des LKF (Landeskulturfonds) stark gewandelt. Standen nach dem Krieg die Beseitigung von Kriegsschäden und der Wiederaufbau auf der Agenda des „Landwirtschaftlichen Bauhilfswerks“, so hat der LKF heute ein modernes Aufgabengebiet. Eine Hofbesichtigung im Mieminger Weiler Fiecht bei der Familie Kranebitter macht dies deutlich.

„Profis unterstützen die Landwirte von heute in Sachen Direktvermarktung, Klimawandelanpassung und landwirtschaftliche Energieproduktion“, sagt LHStv. Josef Geisler. Die in der Regel großen Dachflächen würden sich gut für Photovoltaiksysteme eignen. „Wir nutzen unser 580 Quadratmeter großes Dach zur Stromerzeugung“, bestätigen Bettina und Benjamin Kranebitter. „Wobei wir es eigentlich gewohnt sind, selbst tatkräftig anzupacken. Hier arbeitet die Sonne am Mieminger Plateau für uns“, meint der Hausherr entspannt. Die Freude scheint durchaus berechtigt, hat sich doch die Investition binnen acht Jahren zur Gänze amortisiert.

Vor Jahren erstellten die Kranebitters eine Strategie, wie sie ihre Bauerschaft fit für weitere Generationen machen können, zumal der Hof seit 1635 in Familienbesitz ist. Die Direktvermarktung bot genau diese Chance. Kurze Wege, wenig Energieverbrauch und wenn, dann aus eigenen Ressourcen, sowie die Einbeziehung der ganzen Familie waren die Erfolgsfaktoren. Seit zwei Jahren wird die gesamte am Michelerhof gewonnene Milch in Eigenregie verarbeitet und vermarktet. Der umliegende Wald liefert das Holz für die Hackschnitzelheizung. Diese ist mit der Solaranlage gekoppelt und wird nur befeuert, wenn zu wenig Sonne scheint. Ein großer Pufferspeicher garantiert Energieautonomie für fünf Tage ohne Sonnenschein.

„Wir setzten auch auf eine breite Kundenstruktur aus öffentlichen und privaten Abnehmern sowie aus dem Tourismus. Das hat uns während der Pandemie vor allzu großen Einbußen bewahrt“, rechnet Bettina Kranebitter, selbst Betriebswirtin, vor. Als die Kindergärten und Schulen als Abnehmer wegfielen, nahm die Zahl der Privatkunden zu. „Benjamin stellt die vollen Gebinde kontaktlos vor die Haustüre und nimmt das Leergut wieder mit“, zeigt seine Frau auf.

Thomas Danzl vom LKF freut dieses Vorzeigebeispiel einer nachhaltigen und dabei ökologischen Entwicklung eines landwirtschaftlichen Betriebes: „Der Trend zur Direktvermarktung ist ungebrochen, weil der Kunde verstärkt wissen will, woher seine Lebensmittel stammen, und weil die Wertschöpfung beim Bauern verbleibt.“

Der LKF bringt sich auch in die Energiewende, durch gezielte Kreditvergaben in gebäude- und dachintegrierte PV-Anlagen, mit ein. „Trotz der Pandemie hat der LKF keine Investitionsrückgänge 2020 und 2021 bemerkt“, bilanziert Danzl positiv.


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