Impftempo völlig erlahmt: Noch viel Luft nach oben bei Nachzüglern

Die Corona-Kommission ist besorgt über die Impfmoral. Das Land hofft heute und morgen bei dem niederschwelligen Impfangebot im Unterland und in Osttirol auf einen Impfturbo.

  • Artikel
  • Diskussion (18)
Vom vorgegebenen Impfziel ist die Regierung noch weit entfernt. Auch in Tirol benötigt es noch intensive Anstrengungen, um eine Durchimpfungsrate von 70 Prozent zu erzielen, trotz der niederschwelligen Impfangebote in den Nachzüglergemeinden.
© Thomas Böhm

Innsbruck – In der Expertenkommission der Bundesregierung macht sich eine gewisse Ernüchterung breit: Zum einen wurden gestern österreichweit erneut 1226 neue Corona-Infektionen gemeldet, andererseits verlangsamt sich das Impftempo weiter. In der Sitzung mit den Ländern war sogar die Rede davon, dass das Impftempo total eingebrochen sei. 24.307 Impfungen sind am Mittwoch durchgeführt worden. Insgesamt haben 5,412 Millionen Österreicher zumindest eine Teilimpfung erhalten: Das sind 61 Prozent der Bevölkerung, 57 Prozent sind unterdessen voll immunisiert. Vom vorgegebenen Impfziel ist die Regierung aber noch weit entfernt.

Ernüchterung in Tirol

Auch in Tirol benötigt es noch intensive Anstrengungen, um eine Durchimpfungsrate von 70 Prozent zu erzielen. Das Land ist zwar um jeden Stich froh, aber mehr geht immer, hieß es gestern. Das ist die positive Umschreibung für eine gewisse Ernüchterung nach dem Start der niederschwelligen Impfoffensive im Ötztal und im Oberen Gericht am Dienstag bzw. Mittwoch. 450 Impfungen wurden gemeindenah durchgeführt, die Erwartungen lagen durchaus höher. Vor allem, weil die betroffenen Gemeinden noch eine vergleichsweise niedrige Impfquote aufweisen. Heute (Region Untere Schranne und im Kaiserwinkl) sowie heute und am Samstag wird im Osttiroler Oberland mit Villgratental, im Tiroler Gailtal bzw. im hinteren Iseltal geimpft.

Nicht nur die Landesregierung beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Frage, wie die zuletzt deutlich zurückgegangene Impfmoral gesteigert werden könnte, auch in der gestrigen Sitzung der Expertenkommission war das zentrales Thema. Schließlich sprechen alle Daten für die Impfung. So belegen die aktuellen Zahlen der österreichischen Gesundheitsagentur AGES und des Gesundheitsministeriums die hohe Effektivität der Corona-Schutzimpfung: Von Anfang Februar bis 17. August gab es in Österreich 227.178 laborbestätigte Fälle von SARS-CoV-2 unter Personen im Alter ab zwölf Jahren (150.224 der Infizierten hatten Symptome). Darunter waren 2871 vollständig Geimpfte (1,91 Prozent).

Effektivität bei über 90 Prozent

Die geschätzte Impfeffektivität (durch den Vergleich vollständig Geimpfter bei symptomatischen Fällen mit dem Anteil Vollimmunisierter in der Bevölkerung) liegt für den genannten Zeitraum für die Altersgruppe 40 bis 59 Jahre bei 90,56 Prozent, für die über 60-Jährigen bei 90,79 Prozent.

Von den derzeit 15 Covid-Patienten auf einer Normalstation in einem Tiroler Spital gelten vier Personen als vollimmunisiert. Keiner der neun Erkrankten auf einer Intensivstation ist hingegen zweimal geimpft.

Das Infektionsgeschehen in Tirol weist seit Tagen eine Wellenbewegung auf. In den Spitälern ist eine leichte Zunahme an Patienten zu verzeichnen, in Osttirol ein leichter Rückgang der Infektionszahlen zu beobachten. In der Landeshauptstadt steigen hingegen die Fallzahlen. Seit Anfang Juli war zudem landesweit ein allmähliches Ansteigen der Werte im Corona-Abwasser-Monitoring festzustellen. Eine weitere signifikante Zunahme der SARS-CoV-2-Viren ausscheidenden Personen erfolgte zuletzt aber nicht mehr: Die Höhe der Virenbelastung im Abwasser-Monitoring liegt im Wesentlichen im Bereich der vergangenen Woche. (TT, pn)


Kommentieren


Schlagworte