Künstliche Intelligenz ersetzt immer öfter Anlageberater

Viele Banken haben in den letzten Jahren Systeme entwickelt, welche mithilfe Künstlicher Intelligenz die Geldgeschäfte ihrer Kunden managen.

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Digitale Vermögensverwaltung wird insbesondere bei kleineren Kunden eingesetzt, wo alle Prozesse dem Standard entsprechen.
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Wien – Wohlhabende hatten schon immer Zugang zu qualifizierten Anlageberatern, während der Rest bei der Anlage von – meist relativ geringen – Sparguthaben auf sich allein gestellt waren. Heute schaffen so genannte „Robo Advisors“ hier Abhilfe. Sie gelten als einer der großen Trends unter Privatanlegern und versprechen, mittels Künstlicher Intelligenz (KI) Geld vollautomatisiert anzulegen – unter günstigen Konditionen und mit guten Ergebnissen. Der menschliche Finanzberater wird von vielen bereits als Auslaufmodell verortet.

„Digitale Vermögensverwaltung wird meist bei kleineren Mandaten eingesetzt, wo alle Prozesse dem Standard entsprechen. Algorithmen können hier mittlerweile passgenau programmiert werden“, so Bartusch, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes Financial Planners, gegenüber der Persönliche Beratungsgespräche seien eigentlich erst ab einem bestimmten Betrag möglich – und diese Tendenz werde sich durch die vermehrten Regularien noch verstärken. Die meisten Robo-Programme seien in puncto Qualität grundsätzlich gut aufgesetzt und für Einsteiger mit kleinem Kapital ideal. Denn sie müssen kostengünstig sein, flexibel, und jederzeit zur Verfügung stehen. Was sich dabei bereits zeige: Um die breite Masse an Kunden nicht zu verlieren, kann es sich kaum eine Bank noch leisten, auf einen digitalen Vermögensverwalter zu verzichten. „Ich traue mich zu prognostizieren, dass ab 2030 das Standard-Privatkundengeschäft mehrheitlich digital abgewickelt werden wird“, betont der Finanzexperte.

Allerdings gebe es bei allem Licht auch Schatten, denn in einigen Fällen wird automatisierte Geldanlage dem Berater aus Fleisch und Blut zumindest in naher Zukunft nie das Wasser reichen können. Sobald Wünsche über konventionelle Lösungen hinaus bestünden, werde es kompliziert. Etwa wenn es darum gehe, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, um einer ganzen Familie die Altersvorsorge auf den Leib zu schneidern, oder bei emotionalen Themen, wie Finanzierungen und Immobilienkauf. Ebenso bildet der Finanzberater eine oft notwendige Kontrollinstanz. Investoren, die sich für einen Robo Advisor entscheiden, sind auf sich allein gestellt und können keine andere Person für ihre Entscheidungen verantwortlich machen. Insbesondere betrifft das die Themen Kosten, Produktqualität und Marktkenntnisse. Und auch wenn digitale Vermögensverwaltung mit günstigen Tarifen lockt, sollte man sich dem nicht ohne Prüfung hingeben. Bei größeren Summen haben Berater im Gegensatz zur digitalen Anlage meist Spielraum für günstigere Konditionen. Bei automatisierten Lösungen gilt es, auf versteckte Kosten zu achten – so können nicht nur Basisaufwendungen entstehen, sondern auch laufende Kosten und Kosten innerhalb eines Produktes.

Der Finanzexperte pocht aber auch grundsätzlich auf mehr Finanzbildung. „Wer nichts weiß, muss alles glauben. In Basiswissen zu investieren, bringt immer noch die beste Rendite, unabhängig davon, ob man sich für einen Finanzberater oder einen Robo Advisor entscheidet“, so Bartusch. (hu)


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